Ötscher Lawinenabgang Schnee
Lawinenwarndienst/Bergrettung
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Chronik

Ötscher: Restrisiko als tödliches Verhängnis

Einen Tag nach dem Lawinenunglück mit drei Toten am Ötscher haben Alpinpolizei und Lawinenwarndienst am Samstag am Unglücksort ermittelt. Die Ursache ist zwar weiterhin offen. Den Alpinisten dürfte aber ein Restrisiko zum Verhängnis geworden sein.

Die vier Männer – allesamt erfahrene Alpininsten – waren mit Steigeisen im Dienstgebiet der Bergrettung Lackenhof nahe der Juckfidelplan unterwegs, als sie auf der Nordseite des Ötschers von der Lawine überrascht wurden. Aufgrund der Ermittlungen am Samstag spricht Arnold Studeregger vom Lawinenwarndienst Niederösterreich von einem „Altschneeproblem“. „Das bedeutet, es waren Schwachschichten in der Schneedecke und zwar in extrem steilen Hängen, wo keine Sonne ist“, so Studeregger.

Den Erhebungen zufolge dürften die vier Männer auf ungefähr 1.430 Metern Seehöhe ein Schneebrett ausgelöst haben. Weil sie mit Steigeisen unterwegs waren, hätten sie größeren Druck bzw. eine größere Belastung auf die Schneedecke ausgeübt. Das dürfte vermutlich zu dem verheerenden Unglück geführt haben.

Ötscher Lawinenabgang Schnee Ermittlungen Bergretter
Lawinenwarndienst/Bergrettung
Lawinenwarndienst und Bergrettung führten am Samstag Ermittlungen am Unglücksort durch

Große Betroffenheit bei der Bergrettung

Die Männer waren jedenfalls bei Lawinenwarnstufe 1 unterwegs, das Risiko einer Lawine war damit äußerst gering. Umso größer ist die Betroffenheit bei den Helfern. „Das ist ein schwarzer Tag für die Bergrettung“, sagt Karl Weber, stellvertretender Leiter der Bergrettung Niederösterreich-Wien, der den Angehörigen der Verunglückten sein tiefes Mitgefühl ausspricht. „Es sind natürlich alle Kameraden tief betroffen, zumal die meisten persönlich bekannt sind.“

Grundsätzlich, so heißt es, hätten die vier Männer bei ihrem Aufstieg alles richtig gemacht. Ihnen wurde laut den Helfern ein Restrisiko, das bei jeder Skitour besteht, zum Verhängnis. „Es waren alle vier erfahrene Alpinisten und seit über 20 Jahren im Bergrettungsdienst bzw. bei der Alpinpolizei tätig. Dementsprechend ist das auch ein großer Erfahrungsschatz, der dahinter liegt“, sagt Weber.

Überlebender setzte Rettungskette in Gang

Am Samstagvormittag hatte die Polizei bereits Details zu den vier Männern bekanntgegeben. Der einzige Überlebende des Unglücks war ein 44-jähriger Mann aus dem Bezirk Scheibbs. Er hatte es trotz seiner schweren Verletzungen noch geschafft, die Rettungskette in Gang zu setzen. Er wurde mit dem Notarzt-Hubschrauber in das Universitätsklinikum St. Pölten geflogen.

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Polizei und Helfer vor Großem Ötscher nach Lawinenabgang
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Zu dem Lawinenabgang war es kurz vor Mittag gekommen
Ötschergipfel
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Die Gruppe befand sich zu dem Zeitpunkt beim Aufstieg in einer Rinne auf der Nordseite des Ötschers
Polizeihubschrauber und Bergretter mit Suchhund beim Ötscher
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Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass noch weitere Personen verschüttet wurden, wurde eine große Suchaktion gestartet
Großer Ötscher
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Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte Lawinenwarnstufe eins

Bei den drei Toten handelt es sich um einen 54-jährigen Alpinpolizisten aus dem Bezirk Krems, einen 55-jährigen Zahnarzt aus dem Bezirk Tulln und einen 64-jährigen Mann aus dem Bezirk Waidhofen an der Ybbs. Alle vier Männer waren Mitglieder der Bergrettung. Sie galten als ortskundig und erfahren und waren im eigenen Dienstgebiet unterwegs.

Insgesamt werden heuer in Niederösterreich bereits vier Lawinentote gezählt. Das ist einerseits deutlich mehr als in einem durchschnittlichen Jahr, in dem es nicht einmal einen Lawinentoten gibt. Andererseits wurden alle vier Todesopfer am Ötscher verzeichnet.