Raiffeisen-Jahrestagung mit der Verabschiedung von Generaldirektor Klaus Buchleitner
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Wirtschaft

Raiffeisen: Trotz Krise ausgezeichnetes Jahr

Ein trotz CoV-Krise ausgezeichnetes Geschäftsjahr, aber düstere Aussichten mit Blick auf die Ukraine: Das waren in aller Kürze die Eindrücke der Jahrestagung der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und der Raiffeisen-Landesbank am Freitag in Wien.

In allen Geschäftssegmenten – bei den Banken, wie auch den Industriebeteiligungen – wurde das Ergebnis nahezu verdoppelt. Die Raiffeisenbankengruppe NÖ-Wien erwirtschaftete 2021 ein gemeinsames Ergebnis von weit über 700 Millionen Euro. Dass das trotz der Coronavirus-Pandemie gelungen sei, das stimme optimistisch, sagte Erwin Hameseder (im Bild oben), Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich Wien, bei der Jahrestagung im Kongresszentrum in Wien. Aber der Ukrainekrieg könne noch viel schwerwiegendere Auswirkungen haben. „Aus meiner Sicht sollte bei diesbezüglichen politischen Entscheidungen, wenn es um Sanktionen geht, weiterhin der Grundsatz gelten, dass die Sanktionen uns selbst nicht mehr schaden dürfen als demjenigen, dem sie eigentlich gelten sollten.“

Hameseder: „Wir sind gerüstet“

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges müssten bedacht werden, bis hin zu stark steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Die Raiffeisenholding Niederösterreich-Wien habe mit ihrem sehr guten operativen Jahresergebnis 2021 und starken Kapitalquoten hohe Resilienz: „Wir sind gerüstet“, so Hameseder. Über das humanitäre Selbstverständnis von Raiffeisen sagte er: „Raiffeisen hat stets von, mit und für die Vision eines friedlichen und kooperativen Europas gelebt und sich als Brückenbauer verstanden.“ Daran werde man festhalten und weiterhin rasch helfen.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) stellte die Solidarität in diesem Konflikt in den Mittelpunkt: „Es ist beispielgebend, wie Raiffeisen mit ihren Mitarbeitern in der Ukraine umgeht. Wie sie Wohnungen anbietet, wie sie letzten Endes diese Solidarität und diese Identität gemeinsam auch lebt.“

Raiffeisen-Jahrestagung mit der Verabschiedung von Generaldirektor Klaus Buchleitner
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Etwa 700 Gäste waren am Freitag bei der Jahrestagung der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien in der Messe Wien

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sagte „angesichts steigender Bedrohungsszenarien“ rund um Cyber Security und Blackout: „Wir wissen, dass Österreich in unsicheren Zeiten, insbesondere aufgrund des Augenmerks auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, resilienter und effizienter in seiner Reaktion und in seinem Handeln werden muss.“ Österreich müsse sich auf vielen Ebenen besser vorbereiten, das Bundesheer müsse moderner und zeitgemäß ausgestattet und aufgerüstet werden.

Krieg und Pandemie führen den Menschen vor Augen, wie wichtig Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit seien, sagte Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). „Gerade die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und Energie ist so wichtig wie nie zuvor. Die Bäuerinnen und Bauern und der ländliche Raum sichern diese Versorgung, dafür brauchen sie aber auch jede Unterstützung.“

Höllerer: „Sicherheit und Stabilität weiterentwicklen“

Bei der Jahrestagung erfolgte die symbolische Hofübergabe von Klaus Buchleitner an Michael Höllerer, der seit 8. April Generaldirektor von Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ist. Buchleitner war zehn Jahre Generaldirektor. Mittels umsichtiger Führung und gemeinsam mit einem exzellenten Team habe er das „sehr gute Jahresergebnis 2021 möglich gemacht“, so Hameseder.

Erwin Hameseder, Klaus Buchleitner und Michael Höllerer
Roland Rudolph
„Hofübergabe“ bei Raiffeisen: Erwin Hameseder, Klaus Buchleitner und Michael Höllerer (v.l.)

Michael Höllerer betonte, dass Kundenorientierung und Innovation zukünftig klar an erster Stelle stehen werden: „Wir genießen großes Vertrauen als Bankpartner. Die über Jahrzehnte harter Arbeit aufgebauten Attribute der Sicherheit und Stabilität müssen wir weiterentwickeln. Etwa mit einem generationenübergreifenden digitalen Angebot oder mit einem regionalen Loyalitätsprogramm.“

Er sprach auch die soziale Verantwortung an: „Der Konflikt in der Ukraine hat eine Flüchtlingswelle ausgelöst, die auch hier bei uns angekommen ist.“ Spenden seien wichtig, man plane, „einen privaten Social Bond für ein Kreditprogramm für ukrainische Flüchtlinge aufzulegen, um den Aufbau einer Existenz, die Gründung eines Unternehmens oder die Ermöglichung einer Ausbildung zu finanzieren“.