demolierter Triebwagen
Thomas Lenger
Thomas Lenger
Chronik

Zugsunglück: Verdacht der grob fahrlässigen Tötung

Nach dem Zugsunglück bei Münchendorf (Bezirk Mödling) ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Die Raaberbahn vermutet „menschliches Versagen“.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat neben der Sicherstellung des Fahrtenschreibers des Zuges zwecks Auswertung auch jene der Zugmaschine angeordnet, sagte Sprecher Erich Habitzl am Mittwoch. Vom Fahrtenschreiber erhofft man sich nähere Erkenntnisse zum Unfallhergang. Darin sind wie bei einer Blackbox im Flugzeug verschiedene Daten gespeichert, etwa zur Geschwindigkeit, mit der der Zug unterwegs war.

Die Obduktion des getöteten 25-Jährigen wurde ebenfalls verfügt. Zudem wurde ein Sachverständiger zur Klärung der Unfallursache bestellt. Mit einem Gutachten werde erst in einigen Wochen zu rechnen sein, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Weichenstellung und Geschwindigkeit werden überprüft

Die Polizei hat die Arbeit am Ort des Geschehens am Dienstagabend abgeschlossen. Die Unfallursache steht weiterhin nicht fest. Dass menschliches Versagen hinter dem Unglück steckt, könne man derzeit nicht bestätigen, sagte Polizeisprecher Stefan Loidl. Ein Sachverständiger wurde bestellt, dieser soll sowohl die Weichenstellung als auch die Geschwindigkeit des Zuges überprüfen.

Der verunglückte Zug kann nach Angaben der Raaberbahn maximal 160 km/h fahren. Im Bereich einer Weiche sind höchstens 60 km/h erlaubt. Die Unglücksstelle befindet sich unmittelbar nach einer solchen Weiche. Die Weichenstellung wiederum ist Sache der ÖBB-Infrastruktur.

Am Mittwochvormittag sollten laut Loidl die zwei Waggons des „Ventus“-Zuges geborgen werden, die in ein Feld gestürzt bzw. auf der Böschung neben den Gleisen liegen geblieben waren.

Fotostrecke mit 6 Bildern

die Unglücksstelle aus der Luft
Thomas Lenger
Die Garnitur der Raaberbahn hatte unmittelbar vor dem Unglück eine Weiche passiert
ein Arbeiter vor dem demolierten Triebwagen
Thomas Lenger
Die Unfallursache ist weiterhin nicht bekannt
ein umgestürzter Waggon
Thomas Lenger
Die Arbeiten an der Unglücksstelle wurden am Mittwoch fortgesetzt
Spezialkräne bei Arbeiten an der Unglücksstelle
Thomas Lenger
Mit Spezialkränen wurden die tonnenschweren Garnituren weggehoben
demolierter Triebwagen
Thomas Lenger
Seitens der Raaberbahn geht man von „menschlichem Versagen“ aus
Arbeiten an der Unglücksstelle
Thomas Lenger
Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ermittelt wegen grob fahrlässiger Tötung

Auch die ÖBB verweisen auf laufende Ermittlungen. Alles andere seien „im Moment Spekulationen“, an denen man sich nicht beteiligen wolle. Die Bahnstrecke ist nach dem Unglück von Montagabend nach wie vor unterbrochen. Erste Reparaturarbeiten könnten laut ÖBB aber vermutlich schon am Mittwoch beendet werden. Die Pottendorfer Linie soll am Donnerstag ab 5.00 Uhr eingleisig wieder befahrbar sein. Damit könne der Standardfahrplan wieder eingehalten werden, heißt es seitens der österreichisch-ungarischen Privatbahn, die seit 150 Jahren besteht.

Bei dem Unglück kam ein 25-jähriger Eisenstädter ums Leben. Der 52-jährige ungarische Triebwagenführer und zwei Fahrgäste aus Wien, eine Frau (35) und ein Mann (78), beide aus Wien, wurden schwer verletzt. Zehn weitere Passagiere erlitten leichte Verletzungen – mehr dazu in Zug entgleist: Ein Toter, mehrere Verletzte (noe.ORF.at; 9.5.2022).

Zugsunglück: Spezialkran im Einsatz

Nach dem Zugsunglück bei Münchendorf (Bezirk Mödling) mit einem Toten und mehreren Verletzten ist die Unfallursache weiter unbekannt. Parallel zu den Ermittlungen laufen die Aufräumarbeiten. Mit einem Spezialkran wird die Garnitur geborgen.

Raaberbahn schließt technisches Gebrechen aus

Ein technisches Gebrechen könne ausgeschlossen werden, sagte die stellvertretende Generaldirektorin der Raaberbahn, Hana Dellemann, zum ORF Burgenland. Vermutungen und Gerüchte, dass Bahnweichen falsch gestellt wurden, wollte Dellemann nicht bestätigen. „Die Untersuchungen laufen noch, es ist ein Sachverständiger beauftragt, der genau diese Überprüfungen macht" – mehr dazu in Zugsunglück wahrscheinlich „menschliches Versagen“ (burgenland.ORF.at; 10.05.22).