Urnenbestattung im Waldfriedhof
Klostergarten
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Umwelt & Klima

Proteste gegen Waldfriedhof am Bisamberg

Eine Bürgerinitiative möchte den Bau eines Waldfriedhofs am Bisamberg (Bezirk Korneuburg) verhindern. Sie wirft dem Mitbetreiber Stift Klosterneuburg vor, „Profit vor Umweltschutz“ zustellen. Das Stift spricht von „Lügen“.

Der Waldfriedhof soll am Fuße des Bisambergs in einem Natura 2.000 Schutzgebiet entstehen. Geplant ist, einen Teil des Waldes zu einem Waldfriedhof umzugestalten. Unter einem der 500 Bäume des Areals soll man sich bestatten lassen können. Betrieben wird der Friedhof von Klosterwald, ein Unternehmen des Stiftes Klosterneuburg, des Stiftes Heiligenkreuz, sowie der Erzdiözese Wien. Klosterwald betreibt bereits kirchliche Waldfriedhöfe in Kirchberg am Wechsel (Bezirk Neunkirchen), Heiligenkreuz (Bezirk Baden), Harmannsdorf (Bezirk Korneuburg) und am Kahlenberg in Wien.

Eine Bürgerinitiative wirft dem Stift Klosterneuburg vor, sich auf Kosten der Umwelt an dem Friedhofsprojekt bereichern zu wollen. Der Papst rufe dazu auf, „die Natur vor Profit“ zu stellen, so die Initiative in einer Aussendung: „Das Stift Klosterneuburg hingegen stellt Profit vor Umwelt- und Klimaschutz.“ Konkret befürchtet die Initiative ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Wald und den Bau von Parkplätzen, den Verlust des Naherholungsgebietes, sowie Umweltauswirkungen auf Flora und Fauna und eine erhöhte Waldbrandgefahr.

„Unberührte Waldflächen sind in Zeiten des Klimawandels besonders schützenswert! Ihr Erhalt sollte uns allen am Herzen liegen, insbesondere, da es sich hier um ein seltenes und wertvolles Landschaftsschutzgebiet mit speziellen Tieren und Pflanzen handelt!“, so der Sprecher der Bürgerinitiative Gerhard Löffler. Die Gefahr bestehe, dass die Krematoriumsasche den Waldboden mit Schwermetallen kontaminiere, warnt die Initiative.

„Das ist eine Lüge“

Das Stift Klosterneuburg weist die Vorwürfe zurück. „Das ist eine Lüge“, so der Sprecher des Stiftes Klosterneuburg, Walter Hanzmann. Die Urnen seien ökologisch abbaubar, die Asche sei für den Wald ungefährlich. So sieht es nach Angaben des Stifts auch das europäische Natura 2.000 Netzwerk, das der Friedhofsnutzung zustimmte. Aus Sicht des Klimaschutzes sei die Nutzung als Waldfriedhof sogar von Vorteil. Die Holzernte in diesem Gebiet entfalle, die Bäume hätten eine Überlebensgarantie. „Wer sich für ein Grab entscheidet, verlässt sich schließlich darauf, dass der Baum stehen bleibt“, so Hanzmann.

Waldfriedhof Klostergarten
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Laut dem Stift Klosterneuburg werde der Wald durch die Friedhofsnutzung nicht verändert.

5.000 mögliche Bestattungsplätze

Die Bürgerinitiative sorgt sich zudem um die Artenvielfalt im Naturschutzgebiet. Lebenswichtiges Totholz würde entfernt, der Waldboden zwischen den Bäumen und Grabstätten niedergetreten. „Der Friedhof ist Natur und wird bewusst naturbelassen“, entgegnet Hanzmann. „Da liegt Totholz, da laufen Ameisen herum, das ist ein Bestandteil der Natur.“ Die Sorgen über Auswirkungen auf das Ökosystem seien für das Stift nicht nachvollziehbar.

Die Bürgerinitiative sorgt sich zudem, dass der Friedhof eine Größe von bis zu 5.000 Gräbern einnehmen könnte: „Dies wäre abgesehen vom Wiener Zentralfriedhof die größte Anzahl an Grabstätten in einem Friedhof in Wien bzw. Wien Umgebung“, heißt es in der Aussendung. Entsprechendes Verkehrsaufkommen wäre die Folge. Beim Stift räumt man ein, dass in dem Areal tatsächlich 500 Bäume mit je zehn Grabplätzen zur Verfügung stünden. „Wir haben jedoch erfahrungsgemäß nur 25 bis 50 Beisetzungen pro Jahr und Standort“, so Hanzmann. Von 5.000 Gräbern könne nicht die Rede sein, es würden zudem keine neuen Parkplätze gebaut.

Keine Waldbrandgefahr

Als „Unwahrheit“ bezeichnet das Stift außerdem die Behauptung der Bürgerinitiative, durch den Waldfriedhof nähme die Waldbrandgefahr zu. „Kerzen sind, genau wie Blumenschmuck und Grabsteine, verboten“, so der Stifts-Sprecher. Das Naherholungsgebiet werde weder verändert noch eingeschränkt. Die Öffentlichkeit könne den Wald wie zuvor nutzen.