Lange Nacht der Forschung 2022
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Wissenschaft

Ein Blick hinter die Kulissen der Forschung

Jeder kennt sie, doch wie funktionieren Antigentests? Antworten hat es auf diese und viele andere Fragen am Freitag bei der Langen Nacht der Forschung gegeben. Kinder und Erwachsene konnten an 30 Standorten im Bundesland in die Welt der Wissenschaft eintauchen.

Vorsichtig schüttet Finn Schneider aus Großweikersdorf (Bezirk Tulln) in einem Labor am Biotech Campus in Tulln mit einer Pipette zwei Flüssigkeiten in einen kleinen Behälter. Durch eine chemische Reaktion färbt sich die Flüssigkeit rot. Was dadurch entstanden ist? „Gold“, sagt der Schüler stolz.

Konkret kolloidales Gold, das etwa für die Herstellung der Coronavirus-Antigentests verwendet wird, erklärt Biochemikerin Judith Rudolf-Scholik: „Weil dieses kolloidale Gold farbgebend an den Antikörpern gebunden ist, damit wir überhaupt eine oder zwei Linien am Antigentest sehen können.“ Die Ansammlung der Goldpartikeln zeigt uns schließlich an, ob wir positiv oder negativ sind.

Natürliche Hilfe beim Wäschewaschen

Einen Raum weiter experimentieren Kinder, wie etwa mit Saucen oder Fetten angepatzte Stoffe mit Hilfe von natürlichen Mikroorganismen wieder sauber werden. Im Alltag bringt das praktische Vorteile, erklärt Mikrobiologin Maja Plesko gegenüber noe.ORF.at, „weil die Waschmittel, die heute am Markt sind, nicht mehr 90 Grad brauchen, um effektiv Flecken zu entfernen. Bei den meisten reichen sogar schon 20 Grad.“ Damit schone man auch Ressourcen, sagt die Forscherin.

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Die Kinder können ausprobieren, wie mit Hilfe von natürlichen Mikroorganismen verschmutzte Stoffe wieder sauber werden
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Die dafür nötigen Enzyme werden in diesem kleinen Reaktor hergestellt
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Nach zwei Jahren coronabedingter Pause konnten die Besucherinnen und Besucher wieder einen Blick hinter die Kulissen der Forschung werfen
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Ziel der Langen Nacht der Forschung ist es, Berührungsängste abzubauen
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Am ISTA in Klosterneuburg untersuchen Wissenschafter etwa die magnetischen Eigenschaften von Substanzen
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Zudem wird an einer leistungsfähigeren Super-Batterie geforscht
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Das Interesse scheint bei manchen Besuchern jedenfalls geweckt
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Ziel des Abends sei es, Berührungsängste mit der Wissenschaft und ihren Institutionen abzubauen und das Interesse dafür zu wecken, betont Technologielandesrat Jochen Danninger (ÖVP), denn „unsere Zukunft hängt von diesen Forschungsergebnissen ab und ein lebendiger Wissenschafts- und Forschungsstandort ist auch der beste Garant für wirtschaftliche Erfolge.“

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“

Das Programm für die Kinder sei besonders wertvoll, betont Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP), „weil es schon die Kleinen ermutigt zu forschen und zeigt, wie spannend Wissenschaft sein kann.“ Zudem werde den Kindern dadurch auch die Fähigkeit des kritischen Hinterfragens gegeben – nach dem Motto: „Wer nichts weiß, muss alles glauben“, so Teschl-Hofmeister.

In Niederösterreich präsentierten sich am Freitag 95 Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen an mehr als 30 Standorten – mit Vorträgen, Workshops und Experimenten. Zugleich konnten die Forschenden dabei ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren. Etwa am ISTA in Klosterneuburg (Bezirk Tulln), wo man an einer leistungsfähigeren Super-Batterie forscht.

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Den größten Spaß machte den Kindern die Station, bei der sie ihren eigenen, bunten Spielschleim herstellen konnten

Strategie gegen Wissenschaftsskepsis

Angesichts der in Österreich im Vergleich mit anderen Ländern ausgeprägten Wissenschaftsskepsis bedürfe es laut Wissenschaftsminister Martin Polaschek (ÖVP) allerdings „zahlreicher Maßnahmen“, die auch längerfristiger angelegt werden müssen. Man werde daher eine Strategie zur Wissenschaftsvermittlung entwickeln, mit der auch Personen erreicht werden sollen, die durch Veranstaltungen wie die „Lange Nacht“ nicht angesprochen werden.

Den größten Spaß machten den Kindern offensichtlich einfache Experimente. So konnten sie etwa ihren eigenen, bunten Schleim herstellen. Das Interesse für Wissenschaft und Forschung scheint dann doch bei einigen geweckt worden zu sein.