Schleifer bei der Arbeit
Pixabay / Janno Nivergall
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Politik

Land fordert Ausweitung von Energiekostenzuschuss

Die Energiekosten setzen die Betriebe stark unter Druck. In Niederösterreich rechnet man heuer noch mit einem Wachstum von vier Prozent, 2023 aber mit einer Stagnation. Das Land fordert, die Bundeshilfen zu verlängern, und verspricht bei Bedarf weitere Hilfen.

Vom kleinen Greißler bis zum großen Industriebetrieb – die durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöste, aktuelle Krise führt überall zu hohen Energiepreisen und einer nicht kalkulierbaren Teuerung. Wie in der Vorwoche bekanntgegeben wurde, unterstützt der Bund deshalb energieintensive Unternehmen mit 1,3 Milliarden Euro. Die Anmeldung für diesen Energiekostenzuschuss ist ab Ende Oktober möglich – mehr dazu in Wie der Energiekostenzuschuss funktioniert (news.ORF.at, 28.9.2022).

Der Zuschuss wird rückwirkend für Unternehmen ausbezahlt, die zwischen Februar und September 2022 mindestens drei Prozent ihres Produktionswertes oder ihres Umsatzes für Energie ausgaben. Diese Frist sieht Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) kritisch. Laut ihm müsse der Schutzschirm schon jetzt bis Ende 2023 verlängert werden: „Für viele kleine und mittlere Unternehmen, die aktuell unter den hohen Energiepreisen leiden, droht die Gefahr, dass sie ihren Betrieb einstellen müssen, weil er nicht mehr wirtschaftlich führbar ist.“ Gerade in dieser Phase würden die Betriebe „eine klare Perspektive“ brauchen.

Hilfen für digitale und nachhaltige Projekte

Das Land setzt hingegen vorerst auf die bestehenden Förderungen, etwa "digi4wirtschaft“ für digitale Projekte oder den „Öko-Bonus“ für nachhaltige Initiativen, etwa wenn ein Betrieb seinen neuen Standort in einer stillgelegten Werkshalle unterbringt. Finanzielle Hilfen gibt es auch im Tourismus, um die Qualität der Betriebe zu heben bzw. um Unternehmensgründungen zu forcieren.

PV Anlage Unternehmen
ORF
Das Land fördert weiterhin Investitionen in nachhaltige Projekte wie PV-Anlagen

In der Vergangenheit habe diese Wirtschaftsförderung „äußerst positive Auswirkungen gezeigt“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, bei der Bilanz über 75 Jahre Wirtschaftsförderung in Niederösterreich gezogen wurde: „Unsere Familienbetriebe haben sich exzellent entwickelt, sehr viele neue Unternehmen haben sich bei uns angesiedelt und die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Niederösterreich ist massiv angestiegen.“

Eine Milliarde Euro an Förderungen in drei Jahrzehnten

Allein in den vergangenen drei Jahrzehnten gab es mehr als 150 verschiedene Förderaktionen. Dabei wurden etwa 60.000 Förderanträge bewilligt bzw. eine Milliarde Euro an Förderungen ausbezahlt, wodurch Investitionen im Ausmaß von 15 Milliarden Euro ausgelöst worden seien, hieß es bei der Pressekonferenz. Die Betriebe seien deshalb „digitaler, innovativer und flexibler als jemals zuvor“.

Profitiert habe davon etwa das Familienunternehmen Brantner aus Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach). Seine Großeltern hätten den Betrieb für landwirtschaftliche Transporttechnik vor 75 Jahren aufgebaut, erzählt Geschäftsführer Hans Brandtner. Der Betrieb habe sich seither „ganz bewusst für den Standort Niederösterreich entschieden“, hielt der Geschäftsführer fest: „Weil wir hier darauf vertrauen können, dass wir Unterstützung finden, wenn es notwendig ist.“

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Brandtner
Die Firma Brandtner investierte vor zwei Jahren in eine nachhaltigere Anlage

Vor zwei Jahren wurde etwa in eine ökologischere Anlage investiert, wodurch „sehr viel Lösemittel eingespart werden konnte“. Die Kosten: zehn Millionen Euro. „Das ist für uns ein sehr, sehr großer Betrag“, gesteht Brandtner. Die Förderung soll Unternehmen keinesfalls „das Risiko abnehmen, aber da hilft jeder Euro.“ Vor allem mittelständischen Unternehmen, die ihre Investitionen meist über einen längeren Zeitraum planen, würden solche Förderungen massiv helfen.

Neben der Bilanz über die bestehenden Förderungen versprach Mikl-Leitner am Donnerstag auch, die Entwicklungen in der Wirtschaft genau zu beobachten, ob es „noch mehr an Unterstützung braucht.“ Das müsse nicht immer Geld sein, sondern könne auch Haftungen betreffen. Mikl-Leitner verspricht „jede Form der Unterstützung, damit die Betriebe gut durch die Krise kommen“ und mit „viel Mut und Optimismus“ wieder investieren.