Chronik

Tod zu Silvester: Ermittlungen gegen vier Personen

Rund um den tödlichen Pyrotechnikunfall zu Silvester in Ternitz (Bezirk Neunkirchen) ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen vier Personen. Der Verdacht lautet auf grob fahrlässige Tötung sowie fahrlässige Körperverletzung.

Die Erhebungen der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt laufen zwar schon seit Jahresbeginn, zunächst wurde aber gegen Unbekannt ermittelt. Nun hat sich der Verdacht gegen vier Personen, die beim Unfall dabei waren, offenbar erhärtet. Im Visier stehen zwei Jugendliche und zwei Erwachsene, sagt Sprecher Erich Habitzl gegenüber noe.ORF.at.

Offen ist noch, welche Rolle die Betroffenen beim Unfall in der Silvesternacht genau hatten bzw. inwiefern sie in den Unfall involviert waren. Dazu sollen die Männer nun von der Polizei befragt werden. Bisher wurden die Verdächtigen laut Habitzl noch nicht einvernommen.

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Einsatzkräfte am Unglücksort
Einsatzdoku / Lechner / Sämann
Schauplatz des tödlichen Unfalls war ein Feld bei Ternitz
Einsatzkräfte am Unglücksort
APA/ALEXANDER STEININGER
Ein 18-Jähriger starb noch an der Unfallstelle
Einsatzkräfte am Unglücksort
APA/ALEXANDER STEININGER
„Alles war voller Einsatzfahrzeuge“, berichteten Augenzeugen
Einsatzkräfte am Unglücksort
Einsatzdoku / Lechner / Sämann
Der Feuerwerkskörper dürfte zu früh explodiert sein und den 18-Jährigen tödlich verletzt haben
Einsatzkräfte am Unglücksort
Einsatzdoku / Lechner / Sämann
Zum Abschießen der Feuerwerke sollen die Jugendlichen 50 Zentimeter lange Rohre aus Plastik verwendet haben

Tödliche Explosion auf Feld

Mehrere Einheimische hatten in der Silvesternacht kurz vor 0.30 Uhr auf einem Feld in St. Johann am Steinfelde, einer Katastralgemeinde von Ternitz, Kugelbomben gezündet. Ein 18-Jähriger dürfte sich bei der Explosion in unmittelbarer Nähe zu dem Böller aufgehalten haben, er verstarb noch an Ort und Stelle. Ein Gleichaltriger wurde lebensgefährlich verletzt, er starb eine Woche später im Krankenhaus.

Ein 17- und ein 19-Jähriger waren mit Blessuren ins Landesklinikum Wiener Neustadt bzw. in ein Spital nach Graz gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt nahm Ermittlungen wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung sowie der fahrlässigen Körperverletzung gegen unbekannte Täter auf.

Bei den Kugelbomben dürfte es sich um Feuerwerkskörper der Kategorie F4 gehandelt haben, die in Tschechien illegal gekauft wurden und für die man einen Pyrotechnikausweis benötigt. Habitzl gab dazu mit Verweis auf den noch fehlenden Polizeibericht keine Stellungnahme ab.

„Beängstigende Parallelen“

Auf die Gefährlichkeit der Zündung von Kugelbomben und die möglichen strafrechtlichen Folgen wies die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt zuletzt auch in einem Pressegespräch hin. „Beängstigende Parallelen“ wies der Unfall mit der Causa in Alland (Bezirk Baden) vom 1. Jänner 2022 auf, wo ebenfalls ein Jugendlicher durch illegale Böller ums Leben kam. Eine Person wurde deshalb im Vorjahr u.a. wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt.

Die Behörde war somit binnen eines Jahres mit der Aufklärung zweier derartiger Vorfälle befasst, die drei Tote und mehrere Verletzte gefordert hatten. Dabei sind sowohl der Import von Kugelbomben der Kategorie F4 als auch die Zündung ohne behördliche Bewilligung und ohne entsprechende fachliche Eignung verboten. Barbara Haider, Leiterin der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, bezeichnete Kugelbomben als „tödliche Fallen“ und als „Suizid mit Anlauf“.