Enerigehaus innen
ORF/Tobias Mayr
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Wissenschaft

Haus heizt auf Wetterbericht abgestimmt

Seit 2019 steht in Purkersdorf (Bezirk St. Pölten) ein Haus, dessen Heizung mittels Wetterprognosen die Raumtemperatur steuert. Die Daten der ersten zwei bewohnten Heizzyklen zeigen deutlich niedrigere Heizkosten als bei einem konventionellen Haus.

Das Doppelhaus am Hang ist nach Süden mit großen Fenstern ausgestattet, die bei Sonnenschein viel Licht und damit auch Wärme in die Räume hineinlassen. Die Heizung weiß diesen Vorteil für sich zu nutzen und richtet sich nach den Sonnenstunden aus. Dabei nutzt ein Programm Wetterprognosen aus dem Internet.

„Die Heizung erkennt, dass in den nächsten 48 Stunden die Sonne scheinen und mit dieser Einstrahlung der Sonne den Raum beheizen wird“, erklärt die Energietechnikerin Magdalena Wolf von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die das Energiedoppelhaus wissenschaftlich begleitet. Die Heizung reduziert dann bereits im Vorhinein die Wärmezufuhr in das Gebäude, sodass die Räume nicht zu warm werden, wenn die Sonne scheint.

Energiekosten deutlich geringer

Die Auswertung der Daten für die ersten beiden Jahre zeige, dass die intelligente Steuerung sehr effizient funktioniere, so Wolf. Die Heizkosten für die zwei Familien, die in dem Doppelhaus wohnen, beliefen sich auf 1,70 Euro pro Quadratmeter und Jahr. In der vergangenen Heizperiode hätten die Familien 400 bzw. 700 Euro an Heizkosten gezahlt, der Unterschied ergebe sich dadurch, dass die eine Doppelhaushälfte mehr direktes Sonnenlicht erhält als die andere, so Wolf. „Es kommt natürlich darauf an, mit welchem Gebäude man das vergleicht, aber in einem konventionellen Haus müsste man von der drei- bis vierfachen Menge ausgehen“, so die Energietechnikerin.

Der Grund für die niedrigen Energiekosten liegt in dem Prototyp-Energiehaus, aber auch in der Bauweise und der Energiegewinnung. Die Wärme stammt aus drei Tiefenbohrungen mit einer Tiefe von jeweils 120 Metern. Die Wärme des Bodens wird mittels Wärmepumpe in das Haus geleitet.

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Energiehaus außen
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Auf 350 Quadratmetern bietet das Energiedoppelhaus in Purkersdorf …
Energiehaus innen
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… zwei Familien mit jeweils zwei und fünf Kindern Platz
Enerigehaus innen
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Die Wohnräume sind überwiegend offen gestaltet
Enerigehaus innen
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Essenziell sind die großen Fenster, die viel Sonnenlicht und damit Wärme in die Räume lassen

Im Winter heizen, im Sommer kühlen

Das Ganze funktioniert allerdings auch umgekehrt, nämlich zur Kühlung des Gebäudes im Sommer. „Wir ziehen sozusagen im Winter die Wärme aus dem Erdreich hinaus, und das ganze Erdreich kühlt sich ab. In der Frühlings- und Sommersaison, wenn gekühlt werden soll, ist das Erdreich abgekühlt, und wir müssen sozusagen nur noch diese Kälte nutzen“, erklärt der Architekt Christoph Treberspurg gegenüber noe.ORF.at. So entstehe ein Energiekreislauf, der wie ein saisonaler Speicher funktioniere, teure Klimaanlagen sind überflüssig.

Auch die Bauweise unterstütze das Haus beim Energiesparen. So befinden sich die Heizleitungen nicht im Fußboden, sondern in den Betondecken. „Was bei Beton eine sehr tolle Sache ist, dass wir sehr große Speichermassen haben“, betont Treberspurg. So könne man die Decken als hausinternen Energiespeicher nutzen. „Wir können zum Beispiel am Tag mit Photovoltaikenergie Wärme produzieren, die in die Decken gespeist wird und dann über die Nacht abgegeben wird.“ Es sei so nur wenig Energie notwendig, um Wärme rasch in den Räumen zu verteilen.

Etwa 50 Prozent teurer in der Anschaffung

Noch seien die Investitionskosten hoch, heißt es. In etwa das Doppelte im Vergleich zu einer konventionellen Haustechnik koste die Heizung in dem Pilothaus in Purkersdorf. Allerdings belaufen sich die Energierestkosten lediglich auf die Stromkosten für die Wärmepumpe, weitere Mehrkosten gebe es nicht.