Hydrosolid Wasserstoffspeicher Stahlrohr
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Wirtschaft

Hydrosolid: Das Speichern von grünem Strom

Um von Öl und Gas wegzukommen, führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei. Damit grüner Strom gespeichert werden kann, entwickelte das Unternehmen Hydrosolid aus Wilhelmsburg einen Wasserstoffspeicher, der auch mit geringem Druck funktioniert.

Der Wasserstoffspeicher des Wilhelmsburger (Bezirk St. Pölten) Unternehmens sieht möglicherweise unspektakulär aus, doch das sechseckige Stahlrohr hat eine wesentliche Funktion. Es kann erneuerbare Energien aufnehmen und bei Bedarf wieder bereitstellen. Laut dem Co-Gründer von Hydrosolid, Lukas Renz, ist das vor allem dann interessant, wenn Stromnetze nicht vorhanden oder zu schwach sind.

„Zum Beispiel, wenn das Windrad länger läuft, das Wasserkraftwerk mehr Strom produziert oder das PV-Modul mehr Strom herstellt, weil eben gerade mehr Sonne darauf scheint. Was tue ich dann mit der Überkapazität? Wir nehmen diese Überkapazität her und produzieren daraus grünen Wasserstoff“, erklärt Renz gegenüber noe.ORF.at.

Hydrosolid Wasserstoffspeicher Stahlrohr
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In dem Stahlrohr befindet sich ein Nanomaterial, wodurch Wasserstoff bei geringem Druck gespeichert werden kann

Hoher Druck als Herausforderung

Damit Wasserstoff nicht nur hergestellt, sondern auch in Strom umgewandelt werden kann, braucht es mehrere Komponenten: Einen Wassertank, einen sogenannten Elektrolyseur und eine Brennstoffzelle. Im Wesentlichen wird dabei aus Wasser mittels Elektrolyse Wasserstoff abgespalten, der in einem Tank gespeichert werden kann. Steht gerade kein Strom zur Verfügung, kann man einfach auf den Wasserstoff zurückgreifen und diesen mit einer Brennstoffzelle in Strom umwandeln.

Die größte Herausforderung sei dabei der Druck, erklärt der Co-Gründer: „Bestehende Wasserstoffsysteme gehen auf Hochdruck. Das heißt, ich habe zum Beispiel den Standard 700 Bar bei Pkw, 350 Bar bei Lkw und 200 bis 300 Bar bei stationären Systemen. Und Hochdruck ist technisch extrem anspruchsvoll, weil der Wasserstoff eine sehr geringe volumetrische Energiedichte hat. Daher muss ich den Wasserstoff stärker verdichten, damit ich viel Wasserstoff in ein kleineres Volumen hineinbringe.“

Schichtpolymer Labor Hydrosolid Wasserstoffspeicherung
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Das Schichtpolymer sieht aus wie ein weißes Pulver. Im Labor arbeitet man laufend an der Verbesserung von Aufnahme- sowie Reaktionsfähigkeit des Materials.

Daher hat das Wilhelmsburger Unternehmen an einem neuen System getüftelt, das auch mit vergleichsweise sehr geringem Druck von 35 bis 40 Bar auskommt. Dazu entwickelte man ein Schichtpolymer, das aussieht wie weißes Pulver. Dieses Polymer „saugt de facto Wasserstoff auf Nanoebene auf und gibt diesen dann auch bei geringem Druck wieder ab“, so Renz.

Schutzhütte erstmalig mit Speichern ausgerüstet

Erstmals zum Einsatz kommt der Wasserstoffspeicher auf der Sonnschienhütte am Hochschwab (Steiermark). Die Hütte gehört dem Alpenverein. Das Ziel des Vereins: Klimaneutralität bis 2033, sagt Richard Goldeband, Hüttenreferent beim Alpenverein Austria: „Hier ist es besonders wichtig, die Energieversorgung klimaneutral zu gestalten. Und das machen wir jetzt auf der Sonnschienhütte erstmalig im gesamten Alpenverein mit einer Wasserstoffanlage, die es uns ermöglichen soll, ohne CO2 elektrische Energie für die Hütte zu erzeugen.“

Bis die Wasserstoffspeicher massentauglich sind, braucht es aber noch Zeit. Ein Speicher kostet mehrere zehntausend Euro. Ohne entsprechende Förderungen muss man daher, zumindest derzeit noch, sehr tief in die Tasche greifen.