Chronik

Streit in Ybbs: Fußballfeld soll Schule weichen

Der Ybbser Gemeinderat möchte ein neues Schulzentrum auf einem gemeindeeigenen Grundstück bauen. Doch dafür müsste ein Fußballplatz weichen. Der örtliche Sportverein ASK Ybbs protestiert und sieht sogar die Vereinsidentität in Gefahr.

Der Gemeinderat von Ybbs an der Donau (Bezirk Melk) war sich bereits einig: Die bestehenden Schulgebäude sollen zu einem zentralen Schulzentrum für HAK/HAS und IT-HTL in einem Neubau zusammengelegt werden – so festgehalten in einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates. Eine Sanierung der bestehenden Schulgebäude sei nicht wirtschaftlich, und der Bestand sei für den modernen Unterricht sowieso nicht mehr zeitgemäß, schildert der Sprecher der Stadtgemeinde, Alfred Prenninger, gegenüber noe.ORF.at. Für die Stadtgemeinde besonders praktisch: Ihr gehört das anvisierte Grundstück bereits, darauf liegt bisher ein Fußballplatz.

Fußballplatz Areal für Schulneubau
ASK Ybbs
Um dieses Areal geht es: Das Fußballfeld vorne müsste für den Neubau weichen, auch Beachvolleyball und Padel Court dahinter wären betroffen

Und der lässt die Wogen in der Stadtgemeinde hochgehen. Es handle sich aufgrund der Bodenbeschaffenheit um den qualitativ hochwertigsten Fußballplatz, den der ASK Ybbs für seine Trainings nutzen könne, erklärt der Obmann des Vereins, Christian Eplinger. Außerdem ist der Platz mit Flutlicht ausgestattet, was für die Trainings in der dunklen Jahreszeit unverzichtbar wäre. „Der geplante Standort für das Schulzentrum ist der denkbar ungünstige Standort“, resümiert der Vereins-Obmann. Der ASK Ybbs würde durch den Schulneubau eines von insgesamt drei großen Fußballfeldern verlieren. Auch ein Beachvolleyballplatz und ein Padel Court müssten weichen.

ASK: Fußballplatz ist „identitätsstiftend“

Am Freitag stellte die Ybbser Ortschefin Ulrike Schachner (SPÖ) den Standortbeschluss der Öffentlichkeit im Rahmen eines Diskussionsformats vor. Rund 150 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. „Es war ein intensiver und spannender Dialog, bei dem viele Aspekte für die zukünftige Planung beleuchtet wurden“, zieht die Bürgermeisterin Bilanz. Bei der Stadtgemeinde ist man darum bemüht, die Wogen nun zu glätten. Der ASK dürfe durch den Neubau keinen Nachteil erhalten, verspricht Prenninger: „Die Situation ist lösbar, wenn man guten Willens ist.“ Es gäbe schließlich auch Fußballfelder in anderen Ortsteilen, die man dem Verein zur Verfügung stellen könnte.

Doch für den ASK Ybbs geht es längst nicht nur um die Zahl der verfügbaren Trainingsfelder, sondern auch darum, wo sie liegen. „Es ist für die Identitätsstiftung mit dem Verein wichtig, alles auf einem Platz zu haben“, findet Eplinger. Mannschaften, die Trainings etwa im vier Kilometer entfernten Ortsteil Sarling absolvieren müssen, würden sich niemals im gleichen Ausmaß mit dem ASK identifizieren, wie jene mit Trainingsmöglichkeit in Ybbs, ist Eplinger überzeugt.

Präsentation Schulneubau
Stadtgemeinde Ybbs
Bürgermeisterin Schachner präsentierte erste Planungen für den Schulneubau

ASK-Obmann Eplinger plädiert deshalb dafür, eine Sanierung des bestehenden Schulstandorts noch einmal zu prüfen. Im Rathaus will man aber trotz des fußballerischen Widerstands am Grundstück festhalten. Ein Architekturwettbewerb soll die Pläne demnächst konkretisieren. Die bestehenden Schulgebäude will man u.a. für ein Betreutes Wohnen nutzen.