Wohnen in der ehemaligen Baumwollspinnerei

Die ehemalige k.u.k. privilegierte Baumwollspinnerei in Teesdorf (Bezirk Baden) bekommt ein neues Gesicht: Im Zuge der Sanierung der Textilfabrik aus dem Jahr 1906 entstehen 69 Wohnungen. 2015 soll das Buvorhaben abgeschlossen sein.

Einen Höhepunkt des kräftigen Faceliftings stellt die Errichtung eines Schwimmbades auf dem Dach des Hauses dar, das den künftigen Bewohnern zur Verfügung stehen soll. Das gebäude wird für einen großen Lichthof entkernt. Das Projekt wird von der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp Ges.m.b.H durchgeführt. „Es wird das erste Schwimmbad im sozialen Wohnbau in Niederösterreich sein, das im Dachbereich installiert wird, mit schönen Liegeflächen. Es wird hohe Qualität zu einem sehr günstigen Preis geben“, erklärt dazu Friedrich Klocker, der Vorstand der Arthur Krupp Gesellschaft.

Modell Dach mit Pool

Wohnbau-Ges. Wien-Süd

Architektonischer Charakter soll erhalten bleiben

Bei der Verwandlung der ehemaligen Textilfabrik in ein Wohnhaus soll vor allem der architektonische Charakter des Objekts bewahrt bleiben. 1906- 1910 wurde die Fabrik errichtet. Das noch erhaltene Hauptgebäude mit seinem markanten Wasserturm wurde vom bedeutenden Industriearchitekten Bruno Bauer geplant und in der damals noch neuartigen Stahlbeton-Skelett-Bauweise ausgeführt. Der Bau gilt als erstrangiges Beispiel für die Abfänge des modernen Industriebaus in Österreich.

Technisch aufwändige Innendämmung"

Geschichte der Spinnerei:

Die ehemalige Baumwollspinnerei wurde 1803 vom Wiener Großhändler Johann Baptist Freiherr von Puthon erbaut. Dessen Sohn Karl ließ die Fabrik mit 18.682 Spindeln zu einer der ersten und größten ihrer Art in Niederösterreich wachsen. Nach einem Streik über die schlechten Arbeitsbedingungen kam es 1906 zum Konkurs der Firma. Josef Broch, der Vater des berühmten Schriftstellers Hermann Broch, kaufte sie und ließ das jetzige Gebäude errichten. In den 30er-Jahren verkaufte Hermann, der damalige Geschäftsführer, die Fabrik gegen den Willen des Vaters. Die weiteren Besitzer waren Hämmerle, Huber Trikot und Linz AG.

Mittels einer aufwendigen Innenwärmedämmung und im Zusammenwirken mit der biogenen Zentralheizungsanlage sowie einer solarunterstützten Warmwasseraufbereitung soll ein Niedrigenergiestandard erreicht werden. Neben dem Pool auf dem Dach sind zudem ein großzügiger Fahrrad- und Kinderwagenabstellraum, ein Kinderspielplatz sowie Pkw-Abstellplätze geplant:

„Wir sanieren insgesamt seit 1986 und versuchen, Wohnungen umzusetzen, die dem jetzigen technischen Stand entsprechen, unter anderem mit kontrollierter Wohnraumlüftung, wo wir auch entsprechende Energiekennzahlen und Energieeinsparungen umsetzen können, damit hier Wohnraum geschaffen wird, in dem sich die Leute künftig wohlfühlen können“, sagt Hotst Eisenmenger, Vorstand der gemeinnützigen Wohnbau-Gesellschaft Arthur Krupp in Berndorf, die langjährige Erfahrung im Bereich der Revitalisierung aufweist. Erst vor kurzem wurde in Felixdorf die Arbeiterwohnsiedlung „Tschechenring“ fertiggestellt.

Wohnprojekt "Alte Spinnerei"

ORF

Wahrzeichen der Gemeinde Teesdorf

Die Spinnerei stellt mit ihrem markanten Turm ein Wahrzeichen von Teesdorf dar. Die im Jahr 1803 gegründete Spinnerei ist ein letztes weithin sichtbares und in Beton gegossenes Zeugnis der 200-jährigen Tradition als Industrieort und der frühen Industrialisierung Niederösterreichs.

Wohnprojekt "Alte Spinnerei"

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So ist es ebenso bemerkenswert, dass es offenbar die Spinnerei-Arbeiter waren, die als Selbsthilfe den „wechselseitigen Unterstürtungsverein“ in Teesdorf 1856 gegründet haben. Eine Pioniertat der Konsumgenossenschaftsbewegung, wie eine Tafel im Ort, ein kleines Museum und ein Cafe gegenüber der ehemaligen Spinnerei stolz auf Fotos dokumentieren.

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