Die Hermannshöhle

Die Hermannshöhle bei Kirchberg am Wechsel (Bezirk Neunkirchen) ist die größte Tropfsteinhöhle Niederösterreichs. Auf einer relativ kleinen Grundfläche erstrecken sich Wege und Gänge über mehr als vier Kilometer.

Die Hermannshöhle ist mehr als eine Million Jahre alt. Sie liegt im 740 Meter hohen Eulenberg circa einen Kilometer nordwestlich von Kirchberg am Wechsel. Die Temperatur in der Hermannshöhle beträgt das ganze Jahr über etwa sieben Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit beträgt fast 100 Prozent. In der Höhle finden sich unzählige imposante Tropfsteine. Viele von ihnen tragen Namen, die ihnen Forscherinnen und Forscher je nach ihrer Form gegeben haben. So trifft man etwa auf den „Tropfsteinzwerg“, den „Niagarafall“ oder den „Spitzenvorhang“. In der Hermannshöhle wächst ein Tropfstein etwa ein bis zwei Millimeter in 100 Jahren.

Als „Taubenloch“ 1790 durch Zufall entdeckt

Ein Blick in die Geschichte gibt Auskunft über die Entdeckung und Erforschung der Höhle. Um das Jahr 1790 soll ein Hüterbub, der gerade Wildtauben nachjagte, in den sogenannten „Abgrund“ gestürzt sein. Mehrere Männer konnten ihn retten und entdeckten dabei eine geräumige Höhle. Seit diesem Unfall wird der Abgrund als „Taubenloch“ bezeichnet.

9 Plätze 9 Schätze Hermannshöhle Besucher

Helmut Mohr

In den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder Abstiegsversuche unternommen. Der Reiseschriftsteller J. A. Krickel wagte im Jahr 1836 gemeinsam mit einigen Männern aus Feistritz am Wechsel den Abstieg. 1838 publizierte er einen Bericht darüber, das ist auch der erste schriftliche Nachweis über die Höhle. Krickel schrieb darin, dass er 66 Klafter, also circa 125 Meter tief, abgestiegen war und ihm dann ein „fürchterlicher Schlund“ den Weiterweg versperrt habe.

1843 unternahm Hermann Steiger von Amstein, Namensgeber für die Hermannshöhle, genaue Untersuchungen und fand den Durchstieg zum „Windloch“. Er war beeindruckt von der Schönheit und Weitläufigkeit der Höhle und kaufte die Grundstücke um die Eingänge und das Recht auf die Höhle. Er begann sofort mit der Erschließung der Höhle. Doch bald reichten seine finanziellen Mittel nicht mehr aus und er musste sie verkaufen. Im Laufe der Jahre verfielen die Weganlagen und die Höhle wechselte mehrmals den Besitzer.

Die Hermannshöhle

Mit etwas Glück kann man in der Höhle Fledermäuse entdecken. Diese nützlichen Tiere nützen die Hermannshöhle für ihren Winterschlaf.

1968 kaufte eine Gruppe von Höhlenforschern die Hermannshöhle und betreut sie seither als Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsverein. Die Weganlagen und die Beleuchtung wurden verbessert, außerdem wurde die Höhle neu vermessen. Dabei wurden auch einige neue Teile entdeckt. Die Summe aller vermessenen Höhlengänge beträgt heute 4.430 Meter, der Höhenunterschied 73 Meter.

Vom „Barbarastollen“ zum „Großen Dom“

Die Erforschung der Höhle mit Seilen, Strickleitern und Fackeln war in früherer Zeit natürlich ein abenteuerliches Unterfangen. Heute gestaltet sich ein Höhlenbesuch schon deutlich einfacher. Bei einer Führung kann man die Hermannshöhle erkunden. Sie dauert eine Dreiviertelstunde und führt auf gut befestigten, beleuchteten Wegen vom „Windloch“ zum 40 Meter höher gelegenen „Taubenloch“. Über die sehr geräumige Vorhalle erreicht man durch den sogenannten „Barbarastollen“ die 15 Meter hohe „Dietrichshalle“.

Sendungshinweis

„NÖ heute“, 27.9.2017

Im oberen Teil der Höhle gibt es viele beeindruckende Tropfsteingebilde zu bewundern. Der „Große Dom“ ist 20 Meter hoch und das Zentrum des Höhlensystems. Von hier zweigt die „Hohe Kluft“ ab, die mäandrierend durch den Berg zieht. Durch den „Karl-Ludwig-Tunnel“ geht es zur „Weißen Kluft“, die dick mit der sogenannten Bergmilch oder auch Mondmilch ausgekleidet ist. Dabei handelt es sich um spezielle Ablagerungen, die weiß bis milchig aussehen. Am Grund der „Weißen Kluft“ befindet sich ein Teich und an dessen Ufer sitzt der „Tropfsteinzwerg“. Am Ende der Führung erreicht man noch die geräumige „Fürstenhalle“, von der aus man schon wieder das Tageslicht sehen kann, bevor man 25 Meter hinauf zum Ausgang steigt.

Ein Paradies für Fledermäuse

Mit etwas Glück kann man bei einem Besuch in der Höhle Fledermäuse entdecken. Diese nützlichen Tiere sind eigentlich keine echten Höhlenbewohner, sondern Höhlengäste. Sie sind vor allem im Winter auf die Höhle angewiesen und halten dort ihren Winterschlaf.

9 Plätze 9 Schätze Hermannshöhle Fledermäuse

Archiv des Hermannshöhlen Forschungs- und Erhaltungsverein

Die gleichmäßige Temperatur kommt ihnen dabei zugute. Forschungen haben ergeben, dass die Fledermäuse aus einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern zur Überwinterung in die Höhle kommen. Die häufigste Art ist die „Kleine Hufeisennase“. Insgesamt wurden bisher 14 Arten von Fledermäusen in der Höhle beobachtet. Die Hermannshöhle ist eines der bedeutendsten Winterquartiere für Fledermäuse, bis zu 700 Tiere suchen in der kalten Jahreszeit Schutz. Die Hermannshöhle beherbergt in der kalten Jahreszeit damit etwa ein Fünftel des österreichischen Bestandes.

So wählen Sie den schönsten Platz

Welcher der drei Plätze - die Hermannshöhle, die Kellergasse Galgenberg oder die Ysperklamm - für Niederösterreich am 26. Oktober in der großen Hauptabendshow „9 Plätze, 9 Schätze“ in das Rennen um den schönsten Platz Österreichs geht, entscheiden Sie. Am Mittwoch, dem 27. September, startet nach „Niederösterreich heute“ das Voting, bei dem Sie telefonisch mitbestimmen können. Dann erfahren Sie auch die Telefonnummern aller drei Teilnehmer aus Niederösterreich.

Claudia Schubert, noe.ORF.at

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