Mehr „große Produktionen“ im Festspielhaus

Festspielhaus-Leiterin Brigitte Fürle hat mit dem international renommierten Regisseur Barrie Kosky und Offenbachs „Die schöne Helena“ ein Glanzlicht an den Saisonbeginn gestellt. Fürle will in Zukunft mehr Großproduktionen zeigen.

Das vielfach preisgekrönte Ensemble der Komischen Oper Berlin war für zwei Tage mit der Produktion „Die schöne Helena“ zu Gast im Festspielhaus St. Pölten. Diese Opéra Bouffe von Jacques Offenbach wurde vom Chefregisseur und Intendant Barrie Kosky inszeniert. Sein Ensemble zeichnet aus große Stimmen, irrwitzige Bildwelten und große Spiellust. Intendantin Brigitte Fürle steigt gleich groß ein in die neue Spielsaison des Festspielhauses.

Brigitte Fürle , Szenenausschnitt "Die schne Helena"
ORF
Brigitte Fürle

noe.orf.at: Warum gibt es als zweite Saisoneröffnungsproduktion eine Operetten-Inszenierung von Barrie Kosky?

Brigitte Fürle: Ich habe einen Narren an Kosky gefressen. Für diese Operette war sein Inszenierungsstil so außergewöhnlich. Ich kann es laut sagen: Ich bin kein Fan von Operette, aber er hat mich mit dieser „Helena“ in etwas anderes hineinkatapultiert, mit dieser starken und fantasievollen Darstellung und mit dieser komischen Figur der Helena. Das hat mir gut gefallen, ich dachte, das passt zu unserem 20-Jahre-Jubiläumssaison-Eröffnungsreigen.

noe.orf.at: Zuerst „Die Zauberflöte“ als Oper, dann die „Helena“ als Operette. Wird da etwas an der Positionierung des Hauses gedreht?

Fürle: Das stimmt schon, dass es mich interessiert, wo das internationale Musiktheater im deutschsprachigen Raum eigentlich präsent ist. Mit unserem Residenzorchester, dem Tonkünstler-Orchester, versuchen wir eine Struktur zu schaffen, die außergewöhnliches Musiktheater zeigen kann. So etwas fehlt im deutschsprachigen Raum. Wir gehen zwar total an unsere Grenzen, wir haben unseren Orchestergraben bis zum Maximum ausgeschöpft, die Garderoben sind voll. Es ist eine Herausforderung, aber es macht unglaublich Spaß. Wir sind hier international ein Eisbrecher. Vielleicht fehlt das total.

noe.orf.at: Außer den Inszenierungen von Kosky, was würden Sie sonst noch gerne hier ins Haus bringen?

Fürle: Ich habe tolle Opern von Robert Lepage und Alvis Hermanis gesehen. Also, alle Regisseure, die mir gut gefallen, sind im Opernfach erfolgreich unterwegs. Es ist eine Größenordnung, die wir allerdings nur zu gewissen Anlässen stemmen können.

Brigitte Fürle , Szenenausschnitt "Die schne Helena"
ORF
„Die schöne Helena“ im Festspielhaus St. Pölten

noe.orf.at: Was ist neu in dieser Saison?

Fürle: In dieser Saison haben wir den Horizont erweitert in die ganze Welt. Asien, Südafrika... das ist mir wirklich im Zuge dieser Zerrissenheit der Welt wichtig, dass wir den Dialog suchen. Wer kann das besser schaffen als unsere Kompanien, unsere Künstler? Ich hoffe, dass der Blick von uns nach außen und von außen nach innen Begegnungen schafft, die vielleicht ein bisschen an Verständnis bringen, das wir brauchen.

noe.orf.at: Gibt es einen roten Faden für die Saison?

Fürle: Wir haben aufgrund der Weltreise dann doch einen Schwerpunkt Kuba gesetzt. Mit einer unglaublichen Weltpremiere werden wir die Tanzsaison eröffnen: Carlos Acosta mit seiner neu gegründeten kubanischen Kompanie, aber auch Erwin Schrott wird mit einem tollen kubanischen Liederabend kommen.

noe.orf.at: Es ist eine Jubiläumssaison – mit 20 Jahren Festspielhaus. Gibt es da auch Rückblicke in dieser Saison?

Fürle: Es gibt Begegnungen auch mit einem meiner Lieblings-Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui, der ein Duo für Acosta choreographieren wird. Immer wieder setze ich Begegnungen mit Künstlern der letzten Jahre ein. Ich bin jemand, der Treue zu den Kompanien hat, sie immer wieder einlädt. In dieser Saison sind aber doch viele neue Namen dabei.

Das Gespräch mit Brigitte Fürle führte Karina Fibich, noe.orf.at

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