100 Jahre Holzmeister-Kino in Eggenburg

Vor 100 Jahren, am 31. Dezember 1917, wurde das Lichtspielhaus in Eggenburg (Bezirk Horn) eröffnet. Das Gebäude ist eines der ersten Kinos in Niederösterreich - und es ist ein Frühwerk des späteren Stararchitekten Clemens Holzmeister.

„Der Erteilung der Kinolizenz gingen ein wahrer Wettstreit von mehreren Interessenten und ein ‚Städtekampf‘ mit Horn voraus“, sagt Gerhard Dafert, Obmann der Krahuletz-Gesellschaft in Eggenburg, die nicht nur das Krahuletz-Museum in der Stadt betreibt, sondern auch Eigentümerin des Kinogebäudes ist, das heute als Museumsdepot genützt wird.

Dafert beschäftigte sich detailliert mit diesem „Wirtschaftskrimi“ und den Plänen Holzmeisters, ein längerer Aufsatz darüber wird in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift „Das Waldviertel“ erscheinen. Der Christliche Arbeiterverein hatte 1913 vehement Interesse an einer Kinolizenz für Eggenburg gezeigt, vor allem auch deshalb, weil damals durch das große Publikumsinteresse mit Kinovorstellungen gute Umsatzzahlen erreicht werden konnten.

Eggenburg schwarz weiß Foto Datierung unbekannt
Krahuletz Museum Eggenburg
Eggenburg auf einer zeitgenössischen Ansichtskarte

„Als sich der Verein aus Horn vorerst durchsetzte und die Bewilligung erhielt, haben sich die Eggenburger mit einem Kunstgriff auf den heimischen Kaufmann Josef Winkler geeinigt und alle Register gezogen bis hin zur massiven politischen Intervention, um die Konkurrenz aus der Bezirkshauptstadt aus dem Feld zu schlagen“, so Dafert.

Vom kunsthistorischen Standpunkt her ist das Kinogebäude wegen seines Architekten interessant. Clemens Holzmeister (1886-1983) war nach seinem Architekturstudium bei der Beratungsstelle des Vereins „Deutsche Heimat - Verein für Heimatkunde, Heimatschutz und deutsches Kulturleben in Österreich“ tätig. Die Aufgabe des Vereins war es, Interessenten, die sich keinen Architekten leisten konnten, eine kostenlose Beratung zu geben. Dies war auch 1913/14 bei der Errichtung der Volksschule in Marbach an der Donau (Bezirk Melk), die als Erstlingswerk Holzmeisters gilt. Sein nächstes Projekt war das Kinogebäude in Eggenburg, bereits im April 1914 besuchte er die Stadt, um Details zu besprechen.

Nach dem Bau: Drei Jahre bis zur Eröffnung

Das 257 Sitzplätze umfassende Gebäude wurde 1914 errichtet. Im Juli beklagte sich der Architekt in einem Brief an die Stadtgemeinde, dass er vom Bau nichts höre: „Es liegt mir soviel an dem Bau, aber gegenwärtig bin ich wie abgeschnitten... Es würde mir nur unendlich leid tun, wenn der Bau durch irgendeine Geschmacklosigkeit ... verschandelt würde, die innere Ausstattung mit eingerechnet. ich bemühe mich doch gewiss, alles möglichst einfach zu gestalten und billig, ich glaube, sie dürfens mir schon zutrauen, dass es gut wird.“

Kino Eggenburg 1914
Krahuletz Museum Eggenburg
Das Lichtspieltheater in den 1920er Jahren

Eröffnet mit „Jugend kennt keine Tugend“

Im September 1914 genehmigte die Bezirkshauptmannschaft Horn das Gebäude. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg, zu Beginn des Jahres 1916 fehlte noch immer die Inneneinrichtung, da der Lizenzinhaber Josef Winkler zur Kriegsdienstleistung herangezogen wurde. Im Jahr 1916 suchte Winklers Ehefrau um eine Verlängerung der Lizenz an, auch die Innenausstattung konnte fertiggestellt werden.

Am Silvesterabend des Jahres 1917 wurde das Lichtspielhaus in Eggenburg unter Mitwirkung des Orchesters des Gesangsvereins eröffnet. „Die Abendvorstellungen am 31. Dezember 1917 und am 1. Jänner 1918 waren vollbesetzt, die Nachmittagsvorstellungen am Neujahrstag nicht. Gezeigt wurden die Lustspiele ‚Alles umsonst‘ und ‚Jugend kennt keine Tugend‘, Die Dramen ‚Weihnachtstraum‘ und ‚Blumen die den Tod ihr brachten‘ sowie Kriegsberichte“, so Gerhard Dafert.

Ehemaliges Kino Eggenburg
Krahuletz Museum Eggenburg
Das ehemalige Kino heute

Holzmeister über das Kino: „Eine Jugendsünde“

In den Werkverzeichnissen Holzmeisters wird das Kinogebäude wohl angegeben, aber nicht näher beschrieben. Vermutlich war es für Clemens Holzmeister, der später berühmt wurde mit Bauten wie zum Beispiel der Feuerhalle Wien-Simmering, dem Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße und dem Großen Festspielhaus in Salzburg, eine Arbeit in der nicht zu hoch geschätzten Kategorie „Frühwerke“. Der Architekt wurde noch ein zweites Mal in Eggenburg tätig, doch der 1926 entstandene Plan für ein „Haus (Familie) Schubert“ wurde nicht umgesetzt.

Gerhard Dafert von der Krahuletz-Gesellschaft schließt seinen Recherchen mit einer Anekdote: „Es wird erzählt, dass Holzmeister nach dem Kinobau nochmals in Eggenburg gewesen sei: Von der Bahn kommend hätte er den Blick vom Kino abgewandt und es als ‚Jugendsünde‘ bezeichnet.“

Reinhard Linke, noe.ORF.at

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