Grippewelle ist da und Impfstoff wird knapp

Seit Dienstag ist in Österreich die Grippewelle offiziell angekommen. Das bestätigte das virologische Institut der Universität Wien. Zeitgleich wird ausgerechnet der Grippe-Impfstoff knapp.

Vor allem die Fälle von grippalen Infekten stiegen seit der Vorwoche sprunghaft an. Anfang Dezember waren bei der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) 2.191 Krankenstände auf Grippe und grippale Infekte zurückzuführen. Vor Weihnachten sank die Zahl. In der ersten Jännerwoche gab es dann einen sprunghaften Anstieg auf 2.769 Krankenstände.

Das ist aber trotzdem eine durchschnittliche Entwicklung, wenn man die Zahlen mit der vergangenen Grippe-Saison vergleicht. In der ersten Jänner-Woche 2018 wurden nur halb so viele Krankenstände gemeldet wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 2017 waren mehr als 5.386 Personen wegen Grippe oder grippaler Infekte krank gemeldet.

Arzt untersucht Kind
ORF

Vor allem Kinder und Jugendliche betroffen

Auffallend ist diesmal aber, dass fast 70 Prozent der Grippe-Erkrankten mit dem Influenza Typ B angesteckt wurden und dieser Virus-Stamm betrifft - im Gegensatz zum Influenza Typ A - vor allem Kinder und Jugendliche, heißt es beim Virologischen Institut der Universität Wien. Da die Kinder nun nach den Weihnachtsferien wieder in den Schulen und Kindergärten zusammenkommen, ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch.

Gegen die Grippeviren hilft die Grippeimpfung, und zwar auch jetzt noch, obwohl die Grippewelle schon ausgebrochen ist. Wer noch nicht geimpft ist, muss sich allerdings auf Wartezeiten gefasst machen, denn der Grippeimpfstoff ist ausgegangen. Karl Zwiauer vom Universitätsklinikum St. Pölten erklärt die Gründe dafür: „Impfstoffe sind grundsätzlich biologische Wirkstoffe und unterliegen einem sehr komplizierten Herstellungsprozess, das ist ein Grund“, so Zwiauer.

Grippewelle Impfstoff wird knapp
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Karl Zwiauer vom Universitätsklinikum St. Pölten

„Der andere Grund ist, dass die Firmen so kalkulieren, dass keine großen Lagerbestände übrig bleiben. Nachdem Österreich in den letzten Jahren doch wenig Impfbereitschaft und einen geringen Impfstoffverbrauch gezeigt hat, ist es sicherlich auch so, dass wir ein geringeres Kontingent bekommen als andere Länder in Europa.“

Das bestätigt auch Christoph Baumgärtel vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. „Natürlich haben die Pharmafirmen darauf geschaut, wie viele Leute so einen Impfstoff überhaupt haben wollen“, so Baumgärtel. „Da haben wir aus der Vergangenheit gelernt, insbesondere letztes Jahr, dass die Durchimpfungsraten sehr sehr gering waren. Wir hatten nur knapp über fünf Prozent der Bevölkerung, die sich impfen ließen. Und auf Basis dieser Zahlen haben die Pharmafirmen natürlich ihr Kontingent bemessen.“

Engpass bei Vierfach-Impfstoff

Der Engpass besteht beim Vierfach-Impfstoff, den Dreifach-Impfstoff gibt es noch. Patienten können sich auch den Dreifach-Impfstoff holen, erklärt Zwiauer. „Ich denke, dass der Vierfach-Impfstoff vielleicht Vorteile haben wird, das ist derzeit noch nicht ganz klar“, erklärt der Arzt.

Impfung
pixabay/whitesession

„In manchen Ländern ist genau der Impfstamm, der im Vierfach-Impfstoff enthalten ist, und im Dreifach-Impfstoff nicht, jener, der vorwiegend Influenzafälle verursacht hat, aber das ist nicht gesagt, dass das bei uns auch so sein muss“, so Zwiauer. „Daher gilt nach wie vor: Grippeimpfen ist der einzige effektive Schutz und auch der Dreifach-Impfstoff wirkt sicherlich gut.“

Ansteckung erfolgt am häufigsten über die Hände

Weil sich Influenza-Viren ständig verändern, gibt es aber auch, wenn man geimpft ist, keine Garantie dafür, dass man nicht an Grippe erkranken wird. Um das Risiko angesteckt zu werden, im Alltag zu minimieren, sollte man sich möglichst oft die Hände waschen, erklärt Zwiauer. Denn über die Hände werden die Viren am häufigsten übertragen. Vor allem bei Begrüßungen, wie Händeschütteln oder Küsschengeben, kann man sich anstecken.

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