Gustav Peichl zum 90er: „Milde war ich nie“

Gustav „IRONIMUS“ Peichl wird dieser Tage 90 Jahre alt. Das Karikaturmuseum Krems widmet ihm eine Sonderausstellung mit dem Titel „Diesmal keine Politik“. Mit Altersmilde habe das nichts zu tun, meint Peichl im Gespräch.

Aus einer Sammlung von 2.000 Blättern stellte Markus Peichl, der Sohn von „IRONISMUS“, eine Auswahl zusammen, die einen Überblick geben soll über das 60 Jahre währende zeichnerische Schaffen seines Vaters abseits der tagespolitischen Karikatur. Die Ausstellung zeigt eine andere, weniger bekannte oder unterschätzte Seite von „IRONIMUS“ Peichl. Es sind Blätter, die man als poetisch bezeichnen kann, beziehungsweise teilweise surreal oder grotesk - mehr dazu in „Jetzt mal keine Politik“: Gustav Peichl wird 90 (noe.ORF.at; 28.2.2018).

„Kreisky-Zeichnungen sind immer gut angekommen“

noe.ORF.at traf Gustav Peichl am Samstag am Rande der Eröffnung der Ausstellung zum Gespräch. Im Interview verriet er, welche Politiker er stets am liebsten gezeichnet hatte, welche Politikerin mit ihrer Abbildung überhaupt nicht zufrieden war und was er als das „Opus Magnum“ seiner Karriere als Architekt sieht.

Gustav Peichl
APA / Hans Punz

noe.ORF.at: In der aktuellen Ausstellung werden keine Politiker aufs Korn genommen. Sind Sie altersmilde geworden?

Peichl: Nein, keineswegs. Milde war ich schon in meiner Jugend nicht und bin es bis heute nicht. Aber die Ideen, die mir kommen, die sind verschieden, mal politisch, mal gesellschaftskritisch, mal grotesk.

noe.ORF.at: Was ist Ihnen leichter gefallen: die tagespolitische Karikatur oder diese Blätter zu allgemeinen Themen?

Peichl: Das ist ganz verschieden. Sehr gut gefallen mir nach wie vor die Zeichnungen, die mit Kunst und Kultur zu tun haben.

noe.ORF.at: Der dünne, leicht zittrige Strich, das ist für mich so ihr Erkennungszeichen. Sehen Sie das ebenso?

Peichl: Das sagen viele. Ich zeichne mit der Feder und Tusche und da habe ich immer das Zittrige drinnen. Das ist nicht bewusst gemacht. Ich habe einen Tremor in der rechten Hand.

noe.ORF.at: Wie geht es Ihnen jetzt mit 90 Jahren?

Peichl: Ich habe einen herrlichen jungen 90er und habe immer positiv reagiert auf die Dinge, die auf mich eingeströmt sind. Das tut gut. Ich habe mich oft geirrt, das ist zwar nicht gut, aber das ist halt so. Aber auch den Kollegen der schreibenden Zunft ergeht es so. Da gibt es zahlreiche Leitartikel, wo Blödsinn drin steht, aber so geht es auch einem Karikaturisten.

noe.ORF.at: Heißt das, Sie würden heute einige Zeichnungen zurücknehmen, oder sagen Sie: „Ich bereue nichts“?

Peichl: Nein, bereuen tu ich überhaupt nichts. Es gibt die kuriose Situation: Ich schicke eine Zeichnung in die Redaktion, von der ich sehr überzeugt bin, dort gefällt sie aber überhaupt nicht. Oder umgekehrt, mir gelingt ein Blatt so recht und schlecht und das kommt dann sehr gut an. Kreisky-Zeichnungen sind immer gut angekommen.

Gustav Peichl
APA / Hans Punz
Gustav Peichl anlässlich der Eröffnung „IRONIMUS 90 - Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018“

noe.ORF.at: Sie haben alle Bundeskanzler der Nachkriegszeit persönlich gekannt und auch gezeichnet. Haben manche Politiker schon richtig gewartet auf ihre Zeichnungen?

Peichl: Der Kreisky war ein Telefonierer, mit ihm konnte ich über alles reden. Danach hat es Kanzler gegeben mit denen ich nicht kommunizieren konnte. Eines Morgens hat mich der Kreisky im Büro angerufen. Im ersten Moment dachte ich mir, der Qualtinger treibt wieder seine Späße. Es war aber doch Kreisky persönlich und er sagte, höhnisch wie er war: „Herr Professor! Was Sie heute gezeichnet haben in der Presse ist so gut und so schön, da dachte ich, ich muss Sie anrufen. Meine Augen, meine Haare, wie sie das getroffen haben, wunderbar. Aber in der Sache grundfalsch!“ Das war Kreisky.

noe.ORF.at: Wen haben Sie am liebsten gezeichnet?

Peichl: Figl, Raab, Kreisky. Schwer zu zeichnen war Wissenschaftsministerin Firnberg. Ich hab das aber sehr gerne gemacht. Einmal ist sie aus Graz zurückgekommen und ist ganz erbost zu mir gekommen und hat gedonnert: „Sie sind schuld. In Graz hat man mich empfangen mit den Worten ‚das Faltengebirge kommt‘“, weil ich sie immer mit viel Falten gezeichnet habe.

noe.ORF.at: Kurz zur Architektur: Sie haben alle Landesstudios des ORF gestaltet. Was sind ihrer Einschätzung nach ihre gelungensten Bauten?

Peichl: Das ist eine Fangfrage. Ich bin ja ein eitler Mensch und auf mich und meine Arbeiten selbst stolz. Daher sage ich: mein Opus Magnum in Deutschland ist die Bundeskunsthalle, das Opus Magnum in Österreich sind unter anderem die ORF Landesstudios. Das erste ist in Salzburg 1972 fertig geworden und es funktioniert immer noch.

Gustav Peichl
APA / Hans Punz

noe.ORF.at: Wie beurteilen Sie die Architektur von heute?

Peichl: Da kommt sehr viel Firlefanz vor. Ich bin einer, der die einfache Architektur liebt, die gut funktioniert und die seriöse Einheiten hat, Einheiten, die aus der Zeichnung kommen. Jedes Haus hat irgendwo auch erogene Zonen, manche gut gelungen, manche weniger.

noe.ORF.at: Bei Ihren Bauten kann ich immer auch einen Schuss Humor erkennen?!

Peichl: So ist es. Das bin ich, das ist der Peichl. Egal, was er macht, es ist etwas dabei, das mit Humor zu tun hat.

Das Gespräch führte Hannes Steindl, noe.ORF.at

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