Ex-Ski-Weltmeisterin Trude Klecker ist 90

In den 1950er Jahren war Trude Klecker im Skisport das Maß aller Dinge. Als erste Niederösterreicherin feierte sie international Erfolge und holte einen Slalom-Weltmeistertitel. Nun wurde die Semmeringerin 90 Jahre alt.

90 Jahre und kein bisschen leise, so präsentierte sich die gebürtige Semmeringerin Trude Klecker bei der Ehrung, die die Gemeinde anlässlich ihres runden Geburtstages abhielt. Klecker lebt seit Jahrzehnten in Triest, ließ es sich aber nicht nehmen, dem Semmering einen Besuch abzustatten. „Dass hier auch heute noch an mich gedacht wird, ehrt mich sehr, allerdings habe ich mir das auch verdient. Denn zu meiner Zeit in den 1950er Jahren hat die Gegend vor allem in Westösterreich niemand gekannt“, erinnert sich Klecker an ihre Anfänge im Österreichischen Skiverband.

Trude Klecker Ski-Weltmeisterin 90 Jahre Ehrung

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Ex-Skiweltmeisterin Trude Klecker wurde für ihre sportlichen Erfolge in den fünfziger Jahren ausgezeichnet

Erst mit 24 Jahren vom ÖSV entdeckt

Die Liebe zum Skisport entdeckte Klecker schon im Alter von fünf Jahren. Es dauerte aber bis zu ihrem 24. Lebensjahr, bis sie in den österreichischen Nationalkader einberufen wurde. Den Respekt der Kolleginnen musste sie sich als „Flachländlerin“ zu Beginn ihrer Karriere hart erarbeiten. Als persönlichen Höhepunkt in dieser Beziehung sieht sie noch heute die Österreichischen Meisterschaften 1953 in Innsbruck. „Da habe ich in allen vier Disziplinen gewonnen. Abfahrt, Torlauf, Riesentorlauf und Kombination. Für die Innsbrucker war das damals ein Schlag ins Gesicht“, lächelt die siebenfache österreichische Meisterin in sich hinein.

Klecker feierte internationale Erfolge

Trude Klecker ist trotz ihrer 90 Jahre noch immer fit. Für „NÖ heute“ berichtete Christoph Gregorites über die ehemalige Skirennläuferin.

In diesen Jahren erlebte Klecker auch international ihre sportlichen Sternstunden. Der Sieg bei den Hahnenkammrennen 1953 und die prestigeträchtige Diamantene Nadel der Arlberg-Kandahar-Rennen sind nur ein kleiner Auszug ihrer Erfolge. Der absolute Höhepunkt folgte bei der Weltmeisterschaft 1954 im schwedischen Aare mit einem überlegenen Sieg im Slalom. „Ich erinnere mich noch sehr gut an die Titelkämpfe. Vor allem daran, dass ich die Trainer nie gesehen habe. Und selbst die Siegerehrung hätte ich beinahe verpasst, weil man mich zu spät informiert hat. So war das damals eben“, ärgert sich Klecker noch 62 Jahre nach ihrem Weltmeistertitel.

Fast hätte sie sich in Aare zur Doppelweltmeisterin gekrönt. Im Abfahrtslauf schnappte ihr die Schweizerin Ida Schöpfer allerdings um eine zehntel Sekunde die Goldmedaille weg. „Es war zwar knapp, aber mir war das ziemlich egal. Ich habe mich über Silber genauso gefreut.“

Klecker hält sich mit Sport weiterhin fit

Dass sie mit 90 noch immer fit genug ist, um ohne Begleitung mit der Eisenbahn von Triest auf den Semmering zu fahren, schiebt Klecker nicht auf ihre Vergangenheit im Profisport. „Vom Skifahren kommt das bestimmt nicht. Eher davon, dass ich viele Strecken meines Lebens zu Fuß zurückgelegt habe. Heute sagt man dazu Walking, ich bin damals einfach schnell gegangen“, sagt Klecker gegenüber noe.ORF.at.

„Das Gehen ist das Wichtigste für den Menschen, damit er alt wird. Außerdem schwimme ich zu Hause jeden Tag eine Stunde im Meer, wenn es das Wetter zulässt. Deshalb geht es mir noch so gut“, erzählt die 90-Jährige. Ihrer Heimatgemeinde blieb Klecker bis heute treu. Fünf Besuche pro Jahr stehen fix auf dem Reiseplan. Die nächste Gelegenheit gibt es bei den Weltcuprennen im Dezember, für die Trude Klecker mit ihren Erfolgen als Wegbereiterin bezeichnet werden kann.

Christoph Gregorites, noe.ORF.at