Jugendliche arbeiten freiwillig für Wachau

Junge Menschen aus ganz Europa und Taiwan engagieren sich derzeit für den Erhalt der UNESCO-Welterbe-Region Wachau. Zwei Wochen lang mähen sie Wiesen und fördern damit den Natur- und Artenschutz. noe.ORF.at begleitet sie dabei.

Die Sonne scheint und das Thermometer zeigt bereits am Vormittag fast 30 Grad an. Auf einer der steilen Wiesen in der Wachau, in der Nähe von Weißenkirchen (Bezirk Krems), arbeitet eine Gruppe von Jugendlichen. Die 14 Mädchen und Burschen kommen aus allen Ecken Europas und aus Taiwan, um hier in Niederösterreich ehrenamtlich zu mähen und zu rächen.

Auf diesem Weg leisten sie einen Beitrag zum Schutz der Natur, der Artenvielfalt, zur Landschaftspflege und zur Regionalentwicklung. Vorrangig gehe es um die Pflege und die Erhaltung der Trockenrasen, sagt Hannes Seehofer, Leiter des Projekts „Wachau Volunteer“. Für besondere Tier- und Pflanzenarten, wie die Steinfeder oder das Federgras, aber auch für einige Orchideenarten sei es wichtig, dass die Trockenrasen offen gehalten werden, meint Seehofer weiter.

Freiwillige nehmen schwere Tätigkeiten in Kauf

Dafür ist aber harte Arbeit und Ausdauer nötig, wie man in den Gesichtern der freiwilligen Helfer sieht - Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn. Bereits um 7.00 Uhr klingelte für sie am Morgen der Wecker - und das in ihren Ferien. Doch die Jugendlichen sind begeistert und werden täglich mit einer wunderbaren Aussicht auf die Donau und die Weinberge belohnt. Idealismus ist den Mädchen und Burschen aber trotzdem nicht abzusprechen.

Wachau Volunteer 2017: Die Volunteers entfernen das
trockene Gras auf den Terrassen bei
der Sonnwendkugel

Valentina Kofler

„Naturschutz kennt keine Hitzefrei“ - das ist das Motto der freiwilligen Helfer

Zwischendrin wird auch einmal eine Pause eingelegt. Dann sitzen die Jugendlichen gemeinsam unter einem Baum, stärken sich mit einer Jause und erzählen, warum sie bei dem Projekt mitmachen. „Ich liebe die Natur und bin hier, um etwas Sinnvolles dafür zu tun. Der andere Grund, warum ich beim Freiwilligenprojekt ‚Wachau Volunteer‘ mitmache, ist, weil es ein internationales Camp ist. Ich kann Menschen aus anderen Ländern treffen und mein Englisch verbessern“, erzählt die 17-jährige Patricia aus der Slowakei. Ähnlich sieht das auch der 20-jährige Nevzat aus der Türkei: „Seit ich ein Kind bin, liebe ich die Natur und Österreich bietet die schönste Natur, die ich jemals gesehen habe“.

Dann steigt der Geräuschpegel wieder. Der 20-jährigen Cheng aus Taiwan lässt seine Motorsense an. Voller Eifer ist er damit am Steilhang unterwegs. Neben dem Naturschutzgedanken ist für ihn auch der kulturelle und sprachliche Austausch eine Motivation, sagt er. „Eigentlich ist alles anders als in Taiwan - die Art zu leben, wie die Menschen miteinander reden und der größte Unterschied ist natürlich das Essen. Bei uns würde es nie Brot als Hauptspeise geben. Ich esse immer Reis.“

Wachau Volunteer 2017: heimische Gottesanbeterin

Valentina Kofler

Die Teilnehmer des Freiwilligenprojekts „Wachau Volunteer“ lernen die heimische Pflanzen- und Tierwelt kennen

Gemeinden könnten sich die Arbeit nicht leisten

Für die Gemeinden, die in der UNESCO-Welterbe-Region Wachau liegen, ist der Beitrag der freiwilligen Helfer äußerst wichtig, denn sie könnten sich die Arbeitsstunden finanziell nicht leisten, sagt der Bürgermeister von Weißenkirchen Hubert Trauner (ÖVP). Aus diesem Grund unterstützt die Gemeinde die Mädchen und Burschen so gut es geht. „Man kann nicht nur verlangen, dass die anderen arbeiten, man muss selbst auch etwas dazu beitragen. Deshalb haben wir ausgemacht, dass auch Bauhofmitarbeiter vor Ort sind und vor allem die sehr schwierigen Hänge mähen“, meint Trauner.

Nach getaner Arbeit geht es für die ehrenamtlichen Landschaftspfleger abends in ihr Quartier: die Turnhalle der Mittelschule von Spitz an der Donau (Bezirk Krems). Dort begrüßt sie schon der Duft einer frisch gekochten Mahlzeit. Denn jeden Tag bleiben zwei der Jugendlichen in der Unterkunft und kochen ein typisches Gericht aus ihren jeweiligen Heimatländern. Dieses Mal dominiert etwa das Gewürz Paprika, denn es gibt einen ungarischen Abend für die Jugendlichen.

Freiwilligenprojekt besteht seit 2010

Das Freiwilligenprojekt „Wachau Volunteer - Youth for Nature“ gibt es bereits seit dem Jahr 2010 und wird in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern veranstaltet. So wirken neben dem Österreichischen Alpenverein, dem Service Civil International Österreich und dem Verein Welterbegemeinden Wachau auch die Nationalparke Thayatal und Donau-Auen sowie die Vogelschutzorganisation „BirdLife“ Österreich mit.

In den sieben Jahren leisteten bereits mehrere hundert freiwillige Jugendliche aus mehr als 30 Nationen ihren Beitrag zum Natur- und Artenschutz in der UNESCO-Welterbe-Region Wachau.

Julia Hinterseer, noe.ORF.at

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