Toter Rekrut: Ruf nach Aufklärung wird lauter

Nach dem Tod eines 19-jährigen Rekruten in Horn forderte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Mittwoch „lückenlose und transparente Aufklärung“. Unterdessen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach den Angehörigen des Rekruten via Facebook sein Beileid aus. Er erwarte sich „von den eingesetzten Untersuchungskommissionen eine lückenlose und transparente Aufklärung der Umstände des tragischen Todes des Rekruten“. Dabei sollten „auch die aktuell medial kolportierten Vorwürfe, wonach ein unentschuldbarer Umgangston von einzelnen Ausbildnern des Bundesheers gegenüber Rekruten stattgefunden hätte, untersucht werden“.

Der Bundespräsident stellte klar: „Derartige Ausbildungsmethoden darf es beim Bundesheer nicht mehr geben. Sie schaden dem Ansehen des österreichischen Bundesheeres und diskreditieren den professionellen und engagierten Einsatz der überwiegenden Mehrheit der Ausbildner und Soldatinnen und Soldaten.“

Auch Opposition fordert Aufklärung

Ihr Mitgefühl sprachen auch Abgeordnete von FPÖ, Grünen und NEOS aus. FPÖ und NEOS wollen die Ergebnisse der vom Verteidigungsministerium eingesetzten Untersuchungskommissionen abwarten. Erst dann werde sich zeigen, ob das Unglück medizinische Ursachen hatte oder organisatorische Ausbildungsfehler schuld seien, hieß es von der FPÖ. NEOS sieht in erster Linie den Staat in der Verantwortung und fordert umfassende Aufklärung. Auch die Grünen fordern volle Aufklärung und stellten dazu eine parlamentarische Anfrage an Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Der Rekrut war laut dem vorläufigen Obduktionsergebnis an einer Überhitzung des Körpers gestorben. Vorbehaltlich weiterer Untersuchungen gebe es keinen Hinweis auf eine relevante bakterielle Erkrankung des Grundwehrdieners, hatte Franz Hütter, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, am Dienstagnachmittag mitgeteilt. Das Bundesheer setzte eine Sonderkommission ein. Seit Mittwochvormittag werden alle 170 Grundwehrdiener und das Ausbildungspersonal in Horn befragt - mehr dazu in Toter Rekrut: Heer setzt Sonderkommission ein (noe.ORF.at; 9.8.2017).

Ermittlungen, aber keine personelle Konsequenzen

Das Bundesheer werde alles unternehmen, die Ursachen für den Tod des jungen Soldaten „lückenlos und transparent aufzuklären. Das ist für mich oberstes Gebot“, betonte Verteidigungsminister Doskozil am Dienstagabend in einer Aussendung. Unterdessen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Krems wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Derzeit noch gegen unbekannt, sagte die Leiterin der Anklagebehörde, Susanne Waidecker, am Mittwoch.

Doskozil verspricht Aufklärung des Falles

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil nimmt im Gespräch mit dem ORF Burgenland nach dem Tod eines Rekruten in Horn Stellung.

Beim Bundesheer gibt es derzeit noch keine personellen Konsequenzen. „Wenn wir den Sachverhalt geklärt haben, wird geprüft, ob es hier ein schuldhaftes Verhalten gegeben hat, und wenn sich so etwas herauskristallisiert, wird es natürlich Konsequenzen geben“, sagte Bundesheersprecher Dietmar Rust im Gespräch mit noe.ORF.at, „es gibt aber keine Vorverurteilungen“.

Das Bundesheer wies am Mittwoch auch auf die „umfassenden Beschwerderechte für Soldatinnen und Soldaten“ hin. „Das Bundesheer hat ein umfangreiches und genau geregeltes Disziplinar- und Beschwerdewesen, um Missstände von vornherein zu verhindern bzw. tatsächlich Bestehende anzuzeigen und abzustellen“, hieß es in einer Aussendung des Ministeriums aufgrund des aktuellen Todesfalles. Dazu gebe es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die den Soldaten, „ob sie Rekruten oder Kadersoldaten sind“, zur Verfügung stehen.

Bundesheer nennt Soldatensprecher nicht

Die Parlamentarische Bundesheerkommission wickelte im vergangenen Jahr 144 Verfahren ab. Nur 16 Prozent der Betroffenen waren Rekruten wie jener Mann, der bei einem Marsch in Niederösterreich gestorben ist. Innerhalb des Bundesheers gab es laut Bundesheer 2016 lediglich 32 ordentliche Beschwerden.

Als weitere Möglichkeit, um sich Gehör zu verschaffen, nannte das Verteidigungsministerium auch die von den Rekruten gewählten Soldatenvertreter und das Helpline-Service des Heerespsychologischen Dienstes. Die Identität des Soldatensprechers der Kaserne Horn wollte man beim Bundesheer am Mittwoch allerdings nicht bekanntgeben. Man ersuche um Verständnis, dass man während der laufenden Untersuchungen von betroffenen Personen keine Interviews anbieten könne, teilte Bundesheersprecher Rust mit.