Cobra: Seit 40 Jahren gegen den Terror

Das Einsatzkommando Cobra mit Sitz in Wiener Neustadt feiert sein 40-jähriges Bestehen. Die Spezialeinheit wurde nach einer Serie von Terroranschlägen gegründet. Heute gehört sie zu den besten Anti-Terror-Einheiten der Welt.

Im Schloss Schönau (Bezirk Baden) bezog damals noch das Gendarmerieeinsatzkommando am 1. April 1978 sein Quartier. Die Spezialeinheit wurde mit Beschluss der Bundesregierung gegründet und war eine Reaktion auf blutige Terroranschläge und Entführungen in Europa. Auch Österreich blieb in den 70er-Jahren davon nicht verschont.

Leistungsschau in Wiener Neustadt

„Niederösterreich heute“ berichtete 1998 über einen Besuch von Bundeskanzler Viktor Klima und Innenminister Karl Schlögl bei der Cobra.

Auf dem Grenzbahnhof in Marchegg (Bezirk Gänserndorf) brachten palästinensische Geiselnehmer am 28. September 1973 drei jüdische Flüchtlinge und einen österreichischen Zollwachebeamten in ihre Gewalt. Am 21. Dezember 1975 starben in Wien bei einem Anschlag auf die OPEC-Konferenz drei Menschen. Sechs Terroristen nahmen siebzig Teilnehmer der Konferenz, darunter elf Erdölminister, als Geiseln. Viele von ihnen wurden erst in Algerien freigelassen.

Acht Standorte in ganz Österreich

Auf all diese Szenarien wurde die Spezialeinheit vorbereitet, rasch weckte die Cobra auch das Interesse aus dem Ausland, so war etwa der saudi-arabische Kronprinz zu Gast. Seit 1992 hat die Cobra ihren Hauptsitz in Wiener Neustadt, dazu kommen sieben Außenstellen, sodass jeder Einsatzort in Österreich innerhalb von einer Stunde erreicht werden kann.

Der Name des Einsatzkommandos geht auf die Fernsehserie „Kobra, übernehmen Sie“ zurück: „In der Serie ist es mehr oder weniger um zwei Privatdetektive oder Spezialagenten gegangen, während unsere Einheit schon zu Beginn 180 Mann stark war. Aus dem Grund ist es nicht eins zu eins transformierbar, aber es war eine coole Serie und aus dem Grund war auch der Name ganz o.k.“, sagt Gerald Haider, Pressesprecher der Cobra.

Die 400 Polizisten der Cobra werden jährlich zu 1.000 Einsätzen gerufen, wobei durchschnittlich 500 Verdächtige festgenommen werden. Dazu kommen die Bekämpfung von Terrorismus ebenso wie die Begleitung von Flugzeugen durch sogenannte Air Marshals, der Personenschutz, die Entschärfung von verdächtigen Gegenständen und die Observation.

„Sind hier sehr, sehr wachsam“

„Die globale Sicherheitslage in Österreich ist eine sehr gute, aber wir können uns von internationalen Entwicklungen, sprich Extremismus und Terrorismus, nicht verabschieden und sind hier sehr, sehr wachsam“, sagt der Direktor für Spezialeinheiten, Bernhard Treibenreif.

Cobra-Beamte stürmen eine Wohnung

An acht Stützpunkten in ganz Österreich stehen Beamte der Cobra ständig für Einsätze bereit. Gibt es keine Einsätze, trainieren sie für den Ernstfall.

Laut Pressesprecher Haider sind die Bedrohungsszenarien in all den Jahren dieselben geblieben, aber: „Heutzutage agieren viele Täter spontan. Sie werden durch das Internet oder Foren aktiviert und plötzlich bricht ein Sturm über die Bevölkerung herein. Als Polizei kann man darauf nur abrupt bzw. spontan reagieren.“

Tragischer Einsatz in Annaberg

„Wir hatten spektakuläre Einsätze, Stichwort Geiselbefreiung in der Justizanstalt Graz-Karlau. Wir haben Dutzende Erpressungslagen oder Entführungen gelöst“, spricht Treibenreif von vielen Erfolgen. „Aber wir hatten auch Einsätze, die traurig ausgegangen sind, Stichwort Annaberg.“ Dort tötete der Wilderer Alois H. am 17. September 2013 vier Menschen.

Bei dem Einsatz wurden neben einem Sanitäter des Roten Kreuzes zwei Polizisten und ein Beamter der Cobra erschossen: „Das ist als Verantwortlicher einer Organisation nicht einfach, das wirkt nach, das muss ich ganz offen sagen. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagt Treibenreif.

Bernhard Treibenreif

APA / Robert Jäger

Der Direktor für Spezialeinheiten, Bernhard Treibenreif. Im Hintergrund zu sehen: Niederösterreichs Landespolizeidirektor Konrad Kogler

In den vergangenen Monaten wurde die Ausrüstung der Cobra auf den neuesten Stand gebracht. Zum Anti-Terror-Paket, das 2014 zur gemeinsamen Bekämpfung des islamistischen Terrors in Europa geschnürt worden ist, gehören 17 neue Panzerfahrzeuge, neue Ortungssysteme sowie neue Schutzwesten und Helme. Außerdem sollte der Schießplatz der Cobra generalsaniert werden.

Gernot Rohrhofer, noe.ORF.at

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