Zugsunfall: Waggons 20 Minuten lang führerlos

Bei dem Zugsunfall in Wieselburg (Bezirk Scheibbs), bei dem zwölf Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, dürften die Güterwaggons ungefähr 20 Minuten lang führerlos unterwegs gewesen sein, ehe sie in den Regionalzug geprallt sind.

Der Unfall ereignete sich am Mittwoch gegen 11.45 Uhr nahe dem Bahnhof Wieselburg. Aus vorerst ungeklärter Ursache waren in Randegg (Bezirk Scheibbs) fünf unbeladene Güterwaggons ins Rollen gekommen, sagte ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Von dort aus rollten sie laut Feuerwehrsprecher Franz Resperger zehn bis zwölf Kilometer, ehe sie nahe dem Bahnhof Wieselburg gegen einen Regionalzug prallten, der auf dem Weg von St. Pölten nach Scheibbs gewesen war.

Zwölf Menschen zum Teil schwer verletzt

Nachdem die Zahl der Verletzten zunächst mit 16 beziffert worden war, berichtete Andreas Zenker, der Sprecher des Roten Kreuzes, nach Einsatzende gegen 14.00 Uhr von vier Schwer- und acht Leichtverletzten. Ein Mann musste reanimiert und mit dem Notarzthubschrauber nach Linz geflogen werden. Weitere Verletzte, unter ihnen eine Hochschwangere und auch der Triebwagenführer des Regionalzuges, wurden in die Landeskliniken Scheibbs, Amstetten und St. Pölten gebracht.

Unfallermittlungen angelaufen

Die Suche nach der Unfallursache läuft. Aus einem Polizeihubschrauber wurden Bilder gemacht, um die Unfallstelle zu vermessen.

Neben dem Notarzthubschrauber „C15“ war das Rote Kreuz mit 30 Sanitätern und zahlreichen Rettungs- und Notarztwagen an Ort und Stelle. Die Feuerwehren Petzenkirchen (Bezirk Melk) und Wieselburg waren mit 36 Helfern im Einsatz, auch die Polizei war mit einigen Beamten angerückt. Nachdem alle Verletzten versorgt waren, nahm die Polizei Vermessungen der Unfallstelle aus der Luft vor.

Rätselraten über Ursache des Unfalls

Unklar ist nach wie vor, warum die Güterwaggons plötzlich ins Rollen gekommen waren. Die Waggons dürften 20 Minuten lang von Randegg bis nach Wieselburg gerollt sein, ehe sie dort mit dem Regionalzug kollidierten, der gerade den Bahnhof Wieselburg verlassen hatte. In späterer Folge wurde der Zug laut den ÖBB gestoppt.

Karte von Niederösterreich

Grafik: APA/ORF.at

Die fünf unbeladenen Güterwaggons kamen in Randegg ins Rollen, fuhren dann laut Feuerwehr herrenlos zehn bis zwölf Kilometer, ehe sie in Wieselburg gegen den Regionalzug prallten

Die Bahnstrecke werde im Abschnitt zwischen Pöchlarn und Scheibbs jedenfalls bis zum Betriebsschluss am Mittwoch gesperrt bleiben, sagte der ÖBB-Sprecher. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Wann erste Ergebnisse der Unfallkommission vorliegen werden, kann laut ÖBB derzeit noch nicht gesagt werden.

Ähnlicher Vorfall vor drei Jahren

Vor drei Jahren kam es auf dem Bahnhof Wieselburg ebenfalls zu einem tragischen Unfall mit einem herrenlosen Waggon. Im Juli 2013 wurde ein 55-jähriger Autolenker getötet, nachdem sein Fahrzeug von einem führerlosen Baustellenwaggon erfasst worden war - mehr dazu in Führerlose Waggons töten Autolenker. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten nahm damals die Ermittlungen auf. Schließlich wurde ein Mitarbeiter einer Bahnfirma wegen fahrlässiger Tötung verurteilt - mehr dazu in Acht Monate Haft für Bahnarbeiter.