Blutige und laute Nitsch-Aktion zum 80er

Zu seinem 80. Geburtstag realisierte Hermann Nitsch am Samstag eine seiner berühmten Aktionen mit Blut und einer Sinfonie. Es war seine erste Aktion in Österreich seit 2005 und überhaupt die erste in seinem Museum in Mistelbach.

Schon zwei Stunden vor Beginn der Aktion am Samstagnachmittag im nitsch museum war augenscheinlich, dass etwas Großes passieren wird. Die Langhalle des Museums in Mistelbach war auf allen Seiten in Plastik verhüllt, auf den Längsseiten standen zahlreiche Musikinstrumente für Dutzende Musikerinnen und Musiker, und insgesamt 150 Liter Blut wurden in diverse Behältnisse gegossen. Immer mehr Gäste strömten vom Weinviertler Regen in das Museum. Alles roch nach einer Nitsch-Aktion.

Nitsch: „Gesamtkunstwerk verlangt Intensität“

Um 18.00 Uhr schließlich startete die 155. Aktion mit lauter und dröhnender Musik. Die Akteurinnen und Akteure - alle in Weiß gekleidet - begannen eine Holzkonstruktion durch die Museumshalle zu tragen, von einem Ende zum anderen und mitten durch die Zuschauer hindurch. Etwa 700 Gäste waren bei der Aktion in Mistelbach, die bereits Wochen zuvor ausverkauft war.

Dann gab es auf dem Holzkarren das zu sehen, was viele der Besucher von einer Nitsch-Aktion wohl erwarteten. Einem Mann, dem die Augen verbunden waren und der an das Holz gebunden war, wurden Blut und andere Flüssigkeiten aus Gläsern in den Mund und über den Körper gegossen. Allmählich wurde aus der Aktion das Ritual. Immer wieder wurden diverse Akteure an Holzvorrichtungen gebunden, wurden mit Blut übergossen und hinaus und hinein getragen. Nitsch selbst saß stets in der ersten Reihe und gab seinem Adoptivsohn und Regisseur stets Anweisungen. Besonders imposant und eindringlich erschien die musikalische Komposition des Aktionskünstlers.

Blutige Nitsch-Aktion in Mistelbach

Erstmals seit der Burgtheater-Aktion im Jahr 2005 realisierte der Künstler wieder eine seiner weltberühmten Aktionen.

Später wurde die Aktion erweitert, es gab Blut, Trauben und Paradeiser. Die Elemente ermöglichten den Gästen der Aktion ein sinnliches und intensives Erlebnis. Die Intention von Nitsch war es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die dramatischen Vorgänge physisch und psychisch zu bewegen, denn „das Gesamtkunstwerk verlangt Intensität aller sinnlichen Wahrnehmungen“, so Nitsch.

Partitur für 40 Akteure und 165 Musiker

Die sinfonische Aktion, die Nitsch anlässlich seines 80. Geburtstages kreierte, war als Partitur für 40 Akteure und 165 Musiker und Sänger konzipiert. Die Uraufführung dieser sinfonischen Aktion wurde von Dirigent Andrea Cusumano gemeinsam mit den Musikern, die sich aus dem Orchester der Klangvereinigung Wien, der Stadtkapelle Mistelbach, dem Chor con cor aus Mistelbach und dem Musik- und Gesangsverein Asparn an der Zaya zusammensetzten, zur Aufführung gebracht.

Hermann Nitsch bei seiner Aktion im Museum in Mistelbach

APA/HERBERT NEUBAUER

Im Interview sprach Nitsch von einem wahren „Klangrausch“

Das Universum des Hermann Nitsch

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Typisch für die Nitsch-Kompositionen sind die langgezogenen Töne. „Ich möchte, dass meine Rezipienten in Klängen baden können, und der Klangrausch ist mir etwas sehr Wichtiges.“ Es gehe immer um die Musik seines Theaters, so Nitsch. „Die Musik ist bei meinem Theater sehr, sehr wichtig, ein ganz wichtiger Bestandteil.“ Die von Nitsch eigens komponierte Musik ist auch als Einführung in sein für 2020 geplantes Sechstagespiel in Prinzendorf zu verstehen. „Jetzt plane ich eben für 2020, mein Sechstagespiel noch einmal aufzuführen. Das ist ein ‚Work in Progress‘ und es wird eigentlich nie fertig. Ich würde eigentlich vielleicht die jetzige Situation meiner persönlichen Entwicklung dokumentieren“, so der Aktionskünstler im Gespräch mit noe.ORF.at. Nitsch habe mit seinem Orgien-Mysterien-Theater immer an einem Kunstwerk gearbeitet.

Knappe zwei Stunden dauerte die Aktion im Museum in Mistelbach. Das gesamte Areal wurde in die Aktion mit einbezogen. Anschließend feierten die zahlreichen Gäste, darunter auch internationale Museumsdirektoren, mit Nitsch seinen 80. Geburtstag.

Benedikt Fuchs, noe.ORF.at

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