Fluorid: Mythen auf den Zahn gefühlt

Seit langem ist Fluorid fixer Bestandteil der Kariesvorbeugung. Doch vor allem im Internet häufen sich Berichte von schädlichen Nebenwirkungen und sorgen damit für Verunsicherung.

In Drogeriemärkten findet man immer häufiger „natürliche“ Zahnpasta ohne Fluorid. Doch das erweiterte Angebot sorgt für Verunsicherung. Viviane Österreicher ist in ihrer Kinderzahnarzt-Praxis in Hollabrunn regelmäßig mit besorgten Eltern konfrontiert: „Wenn Eltern fluoridfreie Zahnpasta in der Drogerie sehen, schauen sie dann im Internet nach, was es damit auf sich hat, und da gibt es ganz viele Webseiten, die riesige Schauermärchen erzählen, von chronischen Vergiftungen, Krebsgefahr oder vermindertem IQ bei Kindern.“

Tatsächlich gibt es laut der Fachärztin erst negative Auswirkungen, wie etwa Vergiftungserscheinungen, wenn pro Tag zwei bis drei Tuben Zahnpasta verschluckt werden.

Studien: Fluorid hilft gegen Karies

Den Mythen rund um Fluorid ging kürzlich auch ein Team von „Medizin Transparent“, ein Projekt der Donau Universität Krems, auf den Grund. Das Ergebnis: Fluorid hilft gegen Karies, indem es den Zahnschmelz stärkt. Und: Bei sachgemäßer Anwendung ist es laut aktuellem Wissensstand nicht schädlich.

„Es zeigte sich lediglich, dass es bei Kindern unter acht Jahren, die das Ausspucken noch nicht so gut beherrschen, zu Veränderungen des Zahnschmelzes kommen kann, zur sogenannten dentalen Fluorose“, erklärt Medizinjournalistin Claudia Christof von „Medizin Transparent“. Diese äußert sich etwa durch weiße Flecken auf dem Zahnschmelz und ist „in den allermeisten Fällen nicht schädlich.“ Weitere Forschungen wünscht man sich zudem im Bereich der langfristigen Auswirkungen von Fluorid.

Zahnarzt untersucht Zähne
dpa-Zentralbild/Hans Wiedl
Zahnärzte empfehlen das Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta, auch für Kinder, die das Ausspucken noch nicht beherrschen

Grundsätzlich wird eine fluoridhaltige Zahnpasta aber auch bei dieser Altersgruppe, bei der die Fluorose in den Studien gelegentlich auftrat, empfohlen. „Kinderzahnpasta für null bis sechs Jahre enthält so wenig Fluorid, dass auch ein Runterschlucken von einem erbensgroßen Stück zwei Mal am Tag kein Problem wäre“, so Zahnärztin Viviane Österreicher.

Eine fluoridfreie Pasta sei - der Erfahrung der Zahnärztin nach - keine geeignete Alternative: „Ich habe leider schon ein paar solcher Familien erlebt, die sehr gesundheitsbewusst sind, sich besonders gut informieren wollen und dann eben auf die fluoridfreie Zahnpasta setzen. Den Kinderzähnen bekommt das aber überhaupt nicht. Die Kinder von diesen Familien hatten trotz guter Zahnpflege viele Löcher in den Milchzähnen.“

Fluorid wirkt am besten direkt am Zahn

Zahnpasta ist allerdings nicht die einzige mögliche Fluoridquelle. Neben den früher üblichen „Zahnzuckerln“ gibt es auch fluoridiertes Speisesalz. Das Trinkwasser ist in Österreich übrigens nicht mit Fluorid angereichert. Am besten wirkt es aber ohnehin direkt am Zahn.

Sendungshinweis

„NÖ heute“, 26.2.2018

„Man kann Fluorid auch schlucken in Form dieser Fluoridtabletten“, erklärt die Hollabrunner Kinderzahnärztin Österreicher, „allerdings kommt das Fluorid sehr verdünnt über die Blutbahn an die Zähne heran und hat dort nur noch eine sehr geringe Wirkung.“ Wer unsicher ist, ob er zu viel oder zu wenig Fluorid zu sich nimmt, lässt sich am besten von seinem Zahnarzt beraten.

Birgit Zrost, noe.ORF.at

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