Vitamine punktgenau einsetzen

Multivitaminpräparate erwecken oft den Eindruck, jederzeit und von jedermann eingenommen werden zu können. Aber sie können auch Nebenwirkungen haben. Apotheker Andreas Gentzsch rät deshalb zu einer gezielten Dosierung.

Das Angebot an Präparaten, die Vitamine und Mineralstoffe enthalten, ist nahezu unerschöpflich. Vielfach werden diese Produkte aber - durch Werbebotschaften aus Zeitungen und Internet veranlasst - bedenkenlos und beliebig eingenommen, warnt Apotheker Andreas Gentzsch von der Apotheke zum goldenen Löwen in St. Pölten.

Sendungshinweis

„Radio NÖ am Vormittag“, 7.3.2018

Mikronährstoffe seien jedoch nur dann wirksame Substanzen, wenn sie in der richtigen Qualität, richtigen Menge und zur richtigen Zeit eingenommen werden, so Gentzsch. Bei unsachgemäßem Gebrauch sind auch unerwünschte Wirkungen möglich, weshalb eine fachkundige Beratung zur richtigen Anwendung von Vitaminen und Nährstoffen in der Apotheke unbedingt empfehlenswert ist, so der Apotheker.

Tabletten
APA/dpa/Matthias Hiekel
Vitamintabletten sollen laut dem Experten nur gezielt eingenommen werden

Bei fettlöslichen Vitaminen droht Überschuss

Vitamine werden grundsätzlich in fett- und wasserlösliche Vitamine unterteilt. Die fettlöslichen reichern sich im Körper an und bilden dort ein Depot, das für Stoffwechselprozesse notwendig ist. Die Aufnahme dieser Vitamine kann verbessert werden, wenn sie gemeinsam mit etwas fettreicher Nahrung aufgenommen werden. Der Abbau erfolgt relativ langsam, weshalb bei unsachgemäßer oder zu hoch dosierter Zufuhr ein Überschuss, verbunden mit möglichen Nebenwirkungen, entstehen kann. Weiters spielt die Qualität der zugeführten Vitamine eine große Rolle.

Hochwertiges, aus natürlichen Rohstoffen gewonnenes Vitamin E (d-Alpha-Tocopherol) wird sehr gut von Körper aufgenommen. Es ist ein natürliches Antioxidans und schützt daher vor oxidativem Stress. Vitamin E wird bei rheumatischen Beschwerden, Herz-Kreislauf- und auch Augenerkrankungen empfohlen. Das deutlich billigere synthetische Vitamin E hingegen wird bestenfalls zu einem Drittel resorbiert und ist daher wesentlich weniger wirksam.

Auch Vitamin A, welches u.a. für die Augen (Nachtblindheit, Macula-Degeneration), als Infektionsschutz für das Immunsystem und für gesunde Haut und Schleimhäute wichtig ist, sollte möglichst aus natürlichem Ursprung stammen, um gut von Körper aufgenommen werden zu können. Sofern man den Bedarf nicht über Nahrungsmittel wie Eier, Lebertran, Karotten oder süße Kartoffeln decken kann, ist die Einnahme von Beta-Carotin als natürlicher Vorstufe von Vitamin A empfehlenswert.

Karotte auf einem Teller
APA/Georg Hochmuth
Vitamin A ist unter anderem in Karotten enthalten

Vitamin D gehört ebenso zu den fettlöslichen Vitaminen. Es hat u.a. entscheidenden Einfluss auf die Einlagerung von Calcium in die Knochen und ist daher bei der Vorsorge und Therapie von Osteoporose unerlässlich.

Für die Kontrolle des Knochenauf- und -abbaus durch das Protein Osteocalcin ist hingegen Vitamin K2 essentiell. Daher ist für die Gesundheit des Knochengerüsts ein optimaler Blutspiegel von beiden Vitaminen unerlässlich. Untersuchungen haben ergeben, dass ein Großteil der Bevölkerung bei beiden Vitaminen nur mangelhaft versorgt ist, weshalb eine regelmäßige Einnahme auch als Prophylaxe sehr empfehlenswert ist.

Abbau von wasserlöslichen Vitaminen über Nieren

Bei der Einnahme wasserlöslicher Vitamine ist die Dosierung nicht so heikel, da überschüssige Vitamine vor allem in den Nieren abgebaut und ausgeschieden werden. Trotzdem gilt es einiges zu beachten.

B-Vitamine sind essentiell für die täglichen Prozesse in unserem Körper. Jedes der B-Vitamine übernimmt dabei ganz bestimmte Aufgaben, wobei sie sich gegenseitig unterstützen. Fehlt ein Vitamin B, können die anderen B Vitamine nur mit halber Leistung arbeiten, bzw. muss das fehlende aus dem bestehenden Depot des Körpers genommen werden, was im Laufe der Zeit wiederum einen Mangelzustand verursachen kann. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, immer alle B-Vitamine in Form von Komplex-Tabletten einzunehmen, welche eine ausgewogene Versorgung gewährleisten.

Von Vitamin C ist allgemein bekannt, dass es positive Auswirkungen auf das Immunsystem hat. Es wird jedoch sehr schnell abgebaut im Körper, was bei Vitamin C-armer Ernährung bereits nach 1-2 Wochen zu Mangelzuständen führen kann. Außerdem ist der Körper nicht in der Lage, mehr als 300mg in einer Gabe aufzunehmen. Nur durch die Verteilung von mehreren Dosen am Tag kann die Aufnahmemenge auf die therapeutische Dosis von mehr als 1000mg erhöht werden. Vereinfachen kann man diese Prozedur, wenn man Vitamin C in Tabletten zuführt, welche infolge einer sogenannten Retard-Technologie eine verzögerte Freigabe über einen längeren Zeitraum ermöglicht.

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