Kurz nach 17.00 Uhr landete die Maschine der Austrian Airlines aus dem rumänischen Sibiu am Airport in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha). Die Kosten für den Flug werden laut Josef Keferböck, dem Geschäftsführer des Niederösterreichischen Gemüsebauverbands (NGV), von den Landwirten getragen.
Etwa 15 Betriebe aus Niederösterreich und der Steiermark hatten sich für die aktuelle Initiative zusammengeschlossen. Bei den 138 Personen, die aus Rumänien kommen, handle es sich durch die Bank um „Schlüsselarbeitskräfte“: „Das sind Leute, die schon fünf bis zehn Jahre in den Betrieben sind und die auch neue Helfer gut einschulen können“, sagte Keferböck.
Erntehelfer müssen zunächst in Heimquarantäne
Die 138 Personen wurden direkt nach der Ankunft noch am Flughafen auf das Coronavirus getestet. „Das Ergebnis hat man dann ein, zwei Tage später“, so Keferböck. Die Erntehelfer „kommen dann im Betrieb in Heim-Quarantäne. Ist der Test negativ, wird die Quarantäne aufgehoben.“ Auch die Coronavirus-Untersuchungen werden laut Keferböck von den Bauern finanziert.
Der Einflugaktion rumänischer Helfer für die Spargelernte im Marchfeld vom Freitag könnten weitere ähnliche Schritte folgen. Wie Keferböck der APA mitteilte, würde allerdings die Möglichkeit eines Korridorzuges gegenüber einem erneuten Flug präferiert. „Ich wäre froh, wenn andere Wege aufgehen würden, die funktionieren“, sagte Keferböck in Hinblick auf den „immensen Aufwand“, der dem freitäglichen Charterflug vorangegangen sei.

Rund 700 Erntehelfer fehlen in Niederösterreich
Weiterer Bedarf an Erntehelfer bestehe bei den Spargelbauern in Niederösterreich durchaus. Keferböck sprach von rund 700 Personen, die aktuell fehlen würden. Dabei gebe es bei den einzelnen Betrieben große Unterschiede: „Manche haben 80 Prozent der Helfer, die sie brauchen, manche nur 20 Prozent.“
Mit Arbeitskräften aus Österreich alleine sei dieser Bedarf „nicht deckbar“, hielt Keferböck fest. Es sei zwar Interesse da, die Betriebe seien auch dankbar dafür, „dass viele Leute helfen wollen“. Oftmals scheitere es aber am nötigen Durchhaltevermögen bzw. den teils über die kollektivvertragliche Bezahlung hinausgehenden Lohnvorstellungen der heimischen Bewerber. In sieben von neun Bundesländern liegt der Bruttolohn laut Gewerkschaft unter 1.500 Euro.

Die Initiative der niederösterreichischen Spargelbauern hatte sich am Beispiel von Tirol orientiert. Dort wurden bereits Mitte April 143 Arbeiter für Gemüsebaubetriebe in Tirol und Kärnten eingeflogen. Allerdings wurde einen Tag später einer der Erntehelfer positiv getestet, was zu Kontroversen führte – mehr dazu in Kontroverse über eingeflogene Erntehelfer (tirol.ORF.at; 17.4.2020).
Erntehelfer-Plattform vermittelte bisher 2.500 Personen
Über die Plattform Lebensmittelhelfer.at wurden bisher 2.500 Arbeitskräfte in Österreich vermittelt. Die Zwischenbilanz zur Lebensmittelhelfer-Plattform sei „sehr positiv“, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium zur APA. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe würden von der Vermittlungsplattform profitieren.
Mehr als 400 Betriebe meldeten bei der Vermittlungsplattform bisher einen Bedarf von über 4.000 Arbeitskräften an. Einige Bauern meldeten einen präventiven Bedarf an, weil Gemüse oder Obst erst später geerntet wird. In der Lebensmittelverarbeitung war der Arbeitskräftebedarf dann doch nicht so hoch wie erwartet, weil der Großteil der osteuropäischen Arbeitskräfte gehalten werden konnte oder ausländische Tages- und Wochenpendler weiterhin über die Grenze nach Österreich kommen konnten.
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte zuletzt erklärt, dass ein Einfliegen von tausenden Erntehelfern und Saisonniers aus Osteuropa – wie etwa in Deutschland – derzeit nicht im Fokus stehe. Wenn landwirtschaftliche Betriebe Stammpersonal und Fachkräfte einfliegen wollen, dann müsse es die Branche selbst organisieren. Landwirtschaftskammer-Österreich-Chef Josef Moosbrugger sah das Einfliegen von Erntehelfern aus Osteuropa hingegen skeptisch. „Das sehen wir österreichweit kritischer, es ist aber eine Entscheidung der Regionen“, so Moosbrugger Anfang April.