Semperitwerk in Wimpassing
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Wirtschaft

CoV-Profit: Semperit behält Medizingeschäft

Der Gummiverarbeiter Semperit Holding mit Produktion in Wimpassing (Bezirk Neunkirchen) hat nach dem Verlustjahr 2019 im Jahr 2020 Umsatz- und Ergebnisrekorde erzielt. Der beschlossene Verkauf der Medizinsparte wird deshalb weiter nicht umgesetzt.

Unterm Strich blieb im Geschäftsjahr 2020 ein Nettogewinn von 194,6 Mio. Euro, nach 44,9 Mio. Verlust davor. Operativ wurde das EBITDA von 67,8 Mio. auf 208,6 Mio. Euro verdreifacht das EBIT von negativen 16,5 Mio. auf 237,8 Mio. Euro gedreht. Für das Betriebsergebnis (EBIT) hatte der Vorstand zuletzt 230 bis 255 Mio. Euro angestrebt.

Profitiert hat Semperit im schwierigen Coronajahr von einer „Sonderkonjunktur“ bei medizinischen Schutzhandschuhen. Zeitweise liefen die Produktionsmaschinen in der Krise rund um die Uhr – mehr dazu in Semperit: Dreifacher Bedarf an Handschuhen (25.3.2020). Das habe dem Unternehmen den Rücken gestärkt und zu einer außergewöhnlich hohen Gesamtrentabilität geführt, erklärte CEO Martin Füllenbach am Donnerstag. Deshalb legte im Sektor Medizin der Umsatz um 53,1 Prozent auf 449,2 Mio. Euro zu, während er im Sektor Industrie um 12,6 Prozent auf 478,4 Mio. zurückging. Insgesamt wuchs der Konzernumsatz um 10,4 Prozent auf 927,6 Mio.

Verkauf ausgesetzt, aber weiterhin geplant

Angesichts der guten Umsätze im Sektor Medizin bekräftigte der Vorstand am Mittwoch, dass es derzeit keine Veranlassung gebe, die beschlossene und weiterhin geplante Trennung vom Medizingeschäft umzusetzen. Das vorübergehende Ziel sei, so lange und so umfassend wie möglich von den attraktiven Ergebnisbeiträgen aus dem Medizingeschäft zu profitieren, hieß es am Donnerstag. Dabei sei man sehr zuversichtlich, dass die pandemiebedingt positiven Effekte im Medizingeschäft auch 2021 anhalten werden.

Im Jänner galt das Medizingeschäft noch als kriselnd, die Semperit AG Holding wollte sich auf die Industrie konzentrieren – mehr dazu in Semperit trennt sich von Medizingeschäft (noe.ORF.at; 28.1.2020). Im Stammwerk in Wimpassing macht die Produktion von Operationshandschuhen einen Teilbereich aus. Es ist in erster Linie Standort der Industriesegmente „Semperform“ und „Semperflex“. Hergestellt werden etwa Handläufe für Rolltreppen.

Sorge um Verfügbarkeit von Rohstoffen

Wegen der guten Vorjahreszahlen will Semperit – nach drei dividendenlosen Jahren – 1,50 Euro je Aktie für 2020 ausschütten, das ist seit Mitte Februar bekannt. Kernaktionär von Semperit ist die B&C Holding, die auch die Mehrheit an AMAG und Lenzing hält. Knapp 46 Prozent befinden sich im Streubesitz.

2021 soll das EBITDA der Gruppe im Gesamtjahr bei rund 395 Mio. Euro liegen und damit signifikant über dem Vorjahr. Abhängig sei diese Prognose aber insbesondere von der rechtzeitigen Verfügbarkeit nötiger Rohstoffe sowie deren Preisentwicklung, den Verkaufspreisen für medizinische Schutzhandschuhe im Jahresverlauf sowie einer hinreichenden Containerverfügbarkeit zur Auslieferung der Erzeugnisse der Gruppe, wird betont. Im Sektor Industrie wird eine erkennbare Markterholung erwartet. Der Semperit-Mitarbeiterstand lag 2020 mit 6.943 leicht über dem Jahr davor (6.902).